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Selbstfahrende Autos und Lufttaxis – die Mobilität der Zukunft
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2020-01-31 2020-01-31 31 Januar 2020 - Marion Egger
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Folge 2 | The Turn in Automotive Industry

Auf der CES 2020 in Las Vegas, der größten Messe für technologische Innovation der Welt, haben wir die zukunftsweisendsten Trends ausgeforscht. Vergangene Woche haben wir über vernetzte Haushalte und intelligente Städte berichtet. In dieser Folge dreht sich alles um den Wandel in der Automobilbranche - ein Sektor, der für Südtirol unglaublich wichtig ist, beschäftigt er doch über 16.000 Mitarbeiter und erzeugt allein 50% der exportierten Waren. In der nächsten und letzten Folge unserer Reihe werden wir euch schließlich die spannendsten Trends im Bereich der technologischen Nachhaltigkeit näherbringen. 

Kaum eine Industrie erlebt derzeit eine so einschneidende Transformation wie die Automobilbranche. Das wurde auch auf der CES 2020 mehr als deutlich. Der Automotive-Pavillon der weltgrößten Innovations- und Technologiemesse war, wie auch in den Jahren zuvor, einer der hervorstechendsten. Neben den größten Autoherstellern der Welt präsentierten sich unzählige Zulieferer wie Bosch und Continental sowie Kleinhersteller, Komponentenlieferanten und Start-ups. Ein Trend manifestiert sich mit der starken Präsenz dieser Firmen auf der CES ganz klar: Es geht nicht mehr so stark um das Auto an sich, sondern vielmehr um die Technik dahinter und darin. 

Die große Herausforderung der Branche liegt in der Implementierung und Weiterentwicklung der sogenannten CASE-Technologien. CASE steht als Akronym für “connected, autonomous, shared and electrified” (vernetzt, autonom, geteilt und elektrisch). Rollen wir das Feld von hinten auf: Elektroautos sind mittlerweile nichts neues mehr, aber mit 2020 sind wir an einem Wendepunkt angekommen, an welchem die Elektrifizierung der Mobilität Sinn macht. Dies ist das Jahrzehnt der Elektrifizierung von Fahrzeugen jeglicher Art, nicht nur von Autos. Was auf der diesjährigen CES gezeigt wurde, sind Innovationen bei den Batterietechnologien und bei den Ladesystemen. Mercedes etwa kreierte für die CES das Konzeptfahrzeug Vision Avtr, ein abstraktes, futuristisch anmutendes Auto, in welchem neuartige organische Batterien zum Einsatz kommen sollen, die kompostierbar sind. Bei der Entwicklung immer besserer Ladestationen ist auch Südtirol ganz vorne mit dabei: Das Unternehmen Alpitronic, das einst als Idee von vier Elektroingenieuren in unserem Start-up Incubator groß geworden ist, entwickelt Leistungselektronik für die E-Fahrzeuge der Zukunft und hat den Hypercharger auf den Markt gebracht, eine Ultra-Schnellladestation. 

CES_Daimler

Umdenken in der Automobilindustrie

Mit der wachsenden Weltbevölkerung und der Urbanisierung geht der nächste Trend einher: Wir werden in Zukunft immer weniger Autos besitzen, sondern vielmehr Fahrzeuge lediglich benutzen. Die Vorteile sind eindeutig: Entlastung des Verkehrs, besonders in Stadtgebieten, weniger Parkplätze und dafür mehr Platz für Grünflächen, die wiederum für eine Temperaturregulierung und ein besseres Klima für die Bevölkerung sorgen. Bereits heute kennen wir Konzepte wie Car-Sharing oder Uber. Das ist nur der Anfang. Auf der CES waren multimodale Mobilität, also die Nutzung vieler verschiedener Verkehrsmittel, und die Schaffung dementsprechender Plattformen sowie On-Demand-Mobilität, sprich Fahrten auf Abruf, hoch im Kurs. Daimler stellte seinen Ride-Hailing-Dienst „Free Now“ und das Car-Sharing-Konzept „Share Now“ vor. Hyundai ging noch einen Schritt weiter beziehungsweise höher. Der südkoreanische Automobilhersteller stellte auf der Tech-Messe den Prototypen eines Lufttaxis vor, das vier Passagieren und einem Piloten Platz bieten und über den Fahrdienst-Vermittler Uber eingesetzt werden soll. Die Vision dahinter: Den Verkehr von der Straße in die Luft verlagern und so die Städte entlasten. Natürlich alles elektrisch und dementsprechend leise.

Das Sharing-Konzept führt uns unweigerlich zum nächsten, im Grunde DEM Trend schlechthin in der Mobilität der Zukunft: autonomes Fahren. Vollständig selbstfahrende Autos sind noch nicht ganz so weit, dass sie unbeaufsichtigt auf den Straßen unterwegs sein könnten, aber auf der CES 2020 haben Automobilhersteller aus aller Welt gezeigt, wie nah sie der Erfüllung ihrer jahrelangen Versprechen sind. Yandex (im Wesentlichen das russische Google) kam mit einem automatisierten Toyota Prius nach Las Vegas, der Besucher durch die Straßen der Stadt fuhr, ohne einen Backup-Fahrer am Lenkrad. BMW hingegen stellte den BMW i Interaction Ease vor, eine Art intelligente Sitzkiste, die den Innenraum eines komplett autonom fahrenden Autos darstellen soll. Da wird die komplette Windschutzscheibe zu einem Head-up-Display, das über Sprache und Gesten, aber auch über die Augen Informationen ausgibt. Aber nicht nur Autos sollen in Zukunft autonom unterwegs sein, vor allem für öffentliche Verkehrsmittel wie Kleinbusse ist das autonome Fahren attraktiv. Erst vergangenen November experimentierte auch NOI Techpark mit einem selbstfahrenden Kleinbus auf den Straßen der Stadt Meran, um die neue Technologie zu testen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Ein großes Thema ist nämlich die Sicherheit.

Und hier kommen wir bei der vierten Säule der Mobilität der Zukunft an, der Vernetzung. Es ist unerlässlich, dass sich Fahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern und der sie umgebenden Infrastruktur in Echtzeit vernetzen, um bessere und sicherere Entscheidungen treffen zu können. In diesem Bereich sind große Sprünge mit dem flächendeckenden Angebot eines 5G-Mobilfunknetzes zu erwarten. Über die Vernetzung können zudem relevante Daten über den Verkehr und das Verhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer gewonnen werden, die wiederum zur Verbesserung der Sicherheit auf den Straßen beitragen. Ein Thema, das auch unsere Experten im Technologiefeld Digital beschäftigt: In Projekten wie BrennerLEC entwickeln sie Prognosemodelle zur Vorhersage der Wetterbedingungen, der Umweltsituation und der Verkehrsbelastung – kurzum der Basis für ein proaktives System der Entscheidungsunterstützung für die optimale Steuerung von Verkehrsströmen.

In der nächsten und letzten Folge unseres Dreiteilers zu den brennendsten Technologie-Trends des neuen Jahrzehnts stellen wir Innovationen für eine bessere Welt vor. Stichwort: Nachhaltigkeit. Ihr dürft gespannt sein.

FACT SHEET

Die CES ist die globale Bühne der Innovation im Bereich der Technologie und Unterhaltungselektronik. Jedes Jahr im Januar stellen Tech-Firmen und Start-ups in Las Vegas ihre neuesten Produkte und die zukunftsweisenden Trends in den Bereichen „Internet of Things“, „Blockchain“, „Health and Wellness“, „Robotics“, „Automotive“ und vielen mehr vor. Mit durchschnittlich 170.000 Besuchern, über 5.500 Ausstellern – von Unternehmen bis Start-ups - und unzähligen Konferenzen sowie Vorträgen ist die CES einer der wichtigsten Termine, wenn es um technologische Trends und Innovation geht. Mit dabei war in diesem Jahr erstmals ein Start-up aus Südtirol, Chap SDK, das im Start-up Incubator des NOI Techpark angesiedelt ist.     

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