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High-Tech am Berg: Wie Drohnen Südtirols alpines Know-how potenzieren
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2021-07-27 2021-07-27 27 Juli 2021
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Im Bereich Drohnen beweist Südtirol, was es draufhat. Über Generationen weitergegebenes Wissen trifft hier auf technologischen Findergeist und Infrastrukturen; die Tradition des Zusammenstehens auf intelligente lokale und internationale Vernetzung. Ein Ausflug in ein spannendes Universum mit vielversprechender Zukunft. In dem NOI ein Fixstern ist.

Es waren Szenen wie aus einem Action-Film, die sich in den vergangenen Monaten in der Bletterbachschlucht bei Aldein abspielten. Menschen, die in goldenen Wärmefolien zwischen Geröll und Gesteinsbrocken liegen, Einsatzkräfte mit moderner Ausrüstung und schließlich die Hauptdarstellerin des Einsatzes: eine fünf Kilo schwere Drohne mit einer hochauflösenden optischen Kamera und einem Fallschirm, die durch die enge Schlucht mit ihren steilen Felswänden gesteuert wurde. Ein Einblick in das interregionale Forschungsprojekt START, in dem Bergretter aus Südtirol, Tirol, Kärnten und dem Belluno gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern wie den Notfallmedizinerinnen von Eurac Research sowie dem NOI Techpark neue Technologien für alpine Notfalleinsätze testen. 

Das Ziel der gemeinsamen Übung? Unter realistischen Bedingungen zu beweisen, dass Verunglückte dank Drohnentechnologie genauer geortet werden können und schneller Rettungsmaterial herbeigeschafft werden kann. Und zwar auch in schwer zugänglichen Gebieten ohne Handy- und vielfach GPS-Empfang. Lernen können dabei nicht nur Wissenschaftler und Rettungskräfte, sondern auch die am Projekt beteiligten Südtiroler Drohnenhersteller MAVTech, Soleon und Up Caeli Via. Sie erhalten bei solchen Einsätzen wertvolle Infos, um ihre Technologie noch besser an die Bedürfnisse ihrer Anwender anpassen zu können. 

START ist nur ein Kapitel der Erfolgsstory, die in Südtirol seit einigen Jahren im Bereich der boomenden unbenannten Fluggeräte geschrieben wird. Klarerweise kann man hierzulande nicht mit Standardprodukten mithalten, mit denen chinesische und andere Billiganbieter den Markt überschwemmen. Umso interessanter sind die Nischen, mit denen hier im anspruchsvollen alpinen Umfeld teils komplett neue Märkte erschlossen werden. Wurden Drohnen anfänglich vor allem für Film- und Fotoarbeiten eingesetzt, entdecken immer mehr Disziplinen das Potenzial der High Tech am Berg: ob Geologie, Landwirtschaft, Landschaftsschutz, Denkmalschutz oder aktuell eben auch der Bevölkerungsschutz. Die gemeinsame Erkenntnis: aus der Vogelperspektive kann man viele Dinge nun mal besser erkennen als vom Boden aus. Die Herausforderung besteht darin, diesen Vorteil in konkrete Anwendungen mit praktischem Mehrwert zu übersetzen. Und hier konnte die traditionelle Stärke Südtirols im findigen Umgang mit der Natur und ihren Bedrohungen in den vergangenen Jahren voll zur Geltung kommen.  Zum Beispiel, wenn Vermessungen aus der Luft mittels Photogrammmetrie oder Laserscanner nun in kürzester Zeit die zentimetergenaue Aufnahme und Modellierung größerer Flächen ermöglichen. Wenn die Prävention im Bereich Hochwasserrisiko oder Lawinengefahr dank des Monitorings mit hochpräzisen auf Drohnen montierte Geräte potenziert werden kann und Daten für die Präsizionslandwirtschaft gesammelt werden.  

Ermöglicht wird dieser Innovationsschub von einer Reihe von Start-ups und Unternehmen, die mit viel Mut, technologischem Können und frischem Geist neue Lösungen für alte Herausforderungen entwickeln und dabei auch nicht vor unmöglich Scheinendem zurückschrecken – wie beispielsweise im Fall des Herstellers FlyingBasket schwere Lasten von bis zu 100 Kilo zu transportieren. Wesentlich dafür, dass diese Drohnenmanufakturen mit ihren Ideen abheben konnten, ist aber auch das Umfeld, von dem aus sie starteten. Eine alpine Region, mit ebenso reichen und breiten Erfahrungsschatz, in der neue Technologien in direktem Austausch mit den Anwendern entwickelt werden können. Und ein Mikrokosmos wie der NOI Techpark, in dem vieles möglich wird, das für Einzelkämpfer unerreichbar wäre. Begonnen bei Strukturen wie dem terraXcube, in dem mit DronEx ein Testumfeld für die Drohnenindustrie entwickelt wird, die eine große Lücke in der Drohnenforschung schließt: die Reproduzierbarkeit unterschiedlicher Wetterbedingungen für die Belastungstests der Drohnen. 

Ebenso wichtig sind aber unsere Serviceleistungen im Bereich Tech Transfer. Hier finden mutige Start-ups und innovative Entwickler Rückendeckung bei Planung und Finanzierung, erhalten Feedback und bekommen Zugang zu bewährten methodischen Instrumenten, aber auch einem breiten Netzwerk an nationalen und internationalen Kontakten.  Serviceleistungen, die wie ein Booster wirken können, wenn das Produkt stimmt – wie die Lidar-Anwendungen, die das Unternehmerduo Alto Drones und Soleon in einem gemeinsamen Projekt entwickelte, um dank dieser Laserscanner einen Qualitätssprung bei der Vermessung kleiner Flächen zu ermöglichen. Dank unserer Mitgliedschaft bei UAV Dach, dem größten europäischen Fachverband für unbemannte Luftfahrt, hat Südtirol aber auch eine Mitsprache bei der Gesetzgebung zur unbemannten Luftfahrt. Und Südtirols Drohnenmanufakturen einen verlässlichen Ansprechpartner, wenn es darum geht, bei der aktuell laufenden Umstellung der nationalen ENAC-Regeln auf die gemeinsame europäische Gesetzgebung den Durchblick zu behalten. 

Am Berg ist das Zusammenstehen und Kräfte bündeln schließlich noch wichtiger als in vielen andern Ökosystemen. Dass sich Südtirol in einem boomenden Sektor wie der Drohnenindustrie mittlerweile zu einem der technologischen Vorreiter zählen darf, zeigt, dass es sich lohnt. Und in diesem Fall sogar ermöglicht, richtig abzuheben.  

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