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Künstliche Intelligenz, Sensorik und Industrie 4.0: Willkommen in der Automobilindustrie von morgen
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2019-10-25 2019-10-25 25 Oktober 2019 - Silvia Pagliuca
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Terra dell'Autmotive | Credits: Getty

Über 800 Unternehmen, R&S-Investments und Networking: So geht Südtirol die Herausforderungen der Mobilität der Zukunft an  

Ein Auto von Dreien auf der Welt besteht aus Komponenten aus Südtirol. Tatsächlich gibt es in Italiens ‚Green Region‘ par Excellence über 800 Unternehmen mit mehr als 16.000 Mitarbeitern, die im Automobil- und Automation-Sektor tätig sind. Über eine Milliarde Euro Umsatz und 50 % des hiesigen Exports weist der Sektor jedes Jahr auf. Die Südtiroler Automobilindustrie boomt und die Zeichen stehen hier mehr denn je auf Entwicklung und Innovation: Elektro-Autos, autonomes Fahren, Digitalisierung – das sind nur einige Begriffe, die für die Revolution stehen, der sich dieser Bereich gerade unterzieht. 
„Veränderungen bedürfen weitsichtiger Investments in Forschung und Entwicklung“, erklärt Johannes Brunner, Automotive/Automation-Experte von NOI Techpark. Im Innovationsviertel hat man schon lange erkannt, welch wichtige Säule der Südtiroler Wirtschaft das Business rund um Mobilität und Automatisierung ist. Gerade deswegen greift man den Unternehmen aus der Branche tatkräftig unter die Arme, unterstützt und berät sie bei Projekten und bei der Bildung neuer Banden und Partnerschaften. „Neue Herausforderungen erfordern neue Kompetenzen und neue Partner. Wir müssen diesen Dingen zuvorkommen und den Unternehmen helfen, neue, fruchtbare Netzwerke aufzubauen. Nur so kann disruptive Innovation entstehen“, führt Brunner weiter aus.  


Und die laufenden Projekte zu diesem Zweck lassen sich sehen. Man will unter anderem die Kommerzialisierung vom 3D-Druck vorantreiben. NOI verspricht sich besonders in der Produktion sehr viel von dieser Technologie – nicht umsonst ist der Maker Space, das hauseigene Prototypen-Labor, mit 3D-Druckern ausgestattet, die zu den am Meisten verwendeten Geräten dort gehören. 
Dann gibt es das DaVinci-Projekt, durch das Big Data, Industrie 4.0, Creative Industries und Digital Fabrication vermehrt Einzug in die Unternehmen halten sollen. 
Daran schließt auch das Internationale Forum der Mechatronik an, das mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen seiner Art in der Branche gehört und erst 2018 im NOI Techpark abgehalten wurde, um die ersten Schritte in Richtung „Fabriken der Zukunft“ zu wagen. 
Es ist augenscheinlich, dass man sich voll und ganz der Innovation verschrieben hat. Besonderes Augenmerk wird dabei auf E-Autos gelegt. Immer mehr wird nach elektrisch betriebenen oder Hybrid-Autos verlangt. Das führt dazu, dass sich Unternehmen, die sich auf die Produktion von Komponenten spezialisiert haben, neu erfinden müssen. 
Eine immer größere Rolle spielt auch das autonome Fahren, eine Riesenherausforderung für Sensorik und bei der Optimierung von AI-Prozessen. Car-to-X zum Beispiel bringt Fahrzeuge hervor, die dank IoT miteinander ‚sprechen‘. 
Unser Verständnis des ‚eigenen‘ Autos soll in Zukunft zudem mit Fahrzeug-Sharing oder Autos auf Anfrage auf den Kopf gestellt werden. 


Und zuletzt noch ein Thema, um das man mittlerweile schwerlich herumkommt: die Digitalisierung in Unternehmen. Interne Prozesse müssen optimiert werden, sie sollen schneller und reibungsloser ablaufen. Produktionsketten sollen unter Daueraufsicht stehen und stets programmierbar sein – am besten ferngesteuert. 
Dieser umfangreiche Entwicklungsprozess ebnet nicht nur neuen Technologien den Weg, sondern einer komplett neuen Denkweise. Das erfahren momentan besonders Unternehmen, die sich mit Automatisierung befassen. Nehmen wir als Beispiel die Koexistenz zwischen Menschen und Industrierobotern – ein Thema, mit dem sich NOI Techpark umfassend auseinandersetzt und dabei auf die Labore und Forschung von Fraunhofer Italia und unibz bauen kann. „Es steht ein wahrer Paradigmenwechsel bevor, den man als Chance wahrnehmen muss. Als Chance, in Qualität zu investieren – denn nur die Besten werden in diesem neuen Industriezeitalter überleben“, mahnt Brunner, zeigt sich aber optimistisch, „Wir können mithalten; aber nur, wenn technologische Innovation, die Entwicklung von Talenten und die Schaffung von qualitativ hochwertigen Netzwerken parallel und miteinander wachsen.“ 

Mit vereinten Kräften im Zeichen der Innovation


Aus diesem Bewusstsein heraus entstand „Automotive Excellence Alto Adige“, ein Netzwerk bestehend aus den big Players des Südtiroler Automobilsektors: GKN Sinter Metals, GKN Driveline, Intercable, Alupress, Autotest e Autotest motorsport, allesamt auf dem internationalen Parkett tätige Unternehmen, die in einem Haifischbecken, das die Branche nun einmal ist, zusammen jährlich bis zu 600 Millionen Euro umsetzen, mehr als 80% ihrer Ware exportieren und 2.500 Menschen beschäftigen. 


Gerade auch deswegen wird im Jahr 2022 in Bruneck im Pustertal ein Außensitz von NOI Techpark mit Schwerpunkt Automotive entstehen. Die Mission ist klar definiert: den Sektor durch Forschung, Entwicklung, Automatisierung und Talentförderung zu stärken. Die Unternehmen können hier Seite an Seite mit der Welt der Forschung zusammenarbeiten, zumal die Freie Universität Bozen zu den wichtigsten Partnern bei der Umsetzung des Projektes gehört. Tatsächlich arbeitet die Bozner Alma Mater schon länger daran, qualifiziertes Personal für den Sektor auszubilden, unter anderem durch das duale Automation-Studium, das in sein zweites Jahr geht und den Studierenden die Möglichkeit gibt, einen gewichtigen Teil ihres Studiums direkt in den Unternehmen zu absolvieren. 15 Kursteilnehmer stellte das Studium letztes Jahr, darunter Oberschulabgänger und Arbeiter aus dem Bereich, die ihr Know-how erweitern wollten. Die Schwerpunkte im Lehrplan sind dabei ganz auf die Tätigkeit in einer modernen Fabrik gelegt: Rapid Prototyping, Sensorik, Remote Control und Robotik. „Die Technik in der Industrie macht immer größere Sprünge. Noch nie war es so wichtig, eine gute Ausbildung zu haben, um den Ansprüchen von Unternehmen und Innovation gerecht zu werden“, sagt Professorin Angelika Peer, Dozentin für Automation Engineering der unibz. Die Vorlesungen finden mittlerweile in Bozen statt und werden live in die Vorlesungssäle in Bruneck übertragen. Sobald der Sitz von NOI Techpark im Pustertal steht, könnten einige Kurse auch in den neuen Räumlichkeiten des Innovationsviertels stattfinden. 
 

FACT SHEET


Südtirol ist einer der wichtigsten Standorte im Bereich Produktion von Automobil-Komponenten. Die Unternehmen der Branche generieren 50% des lokalen Exports und investieren in Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Provinz. Um sich einen Überblick zu verschaffen, hat NOI Techpark kürzlich eine Übersicht der hiesigen Automotive/Automation-Betriebe veröffentlicht, in der 150 Unternehmen umfassend vorgestellt werden. Der Bericht kann hier runtergeladen werden. 
Der Außensitz von NOI Techpark in Bruneck wird vom Architekturbüro Kerschbaumer Pichler & Partner aus Brixen entworfen, wobei besonders darauf geachtet wurde, dass sich das Gebäude ins Stadtbild nahtlos einfügt. Es wird ein multifunktionales Gebäude für Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Institutionen entstehen. Außerdem wird es über Co-Working-Spaces und Räumlichkeiten für Start-ups verfügen. Ein Ort, in dem das Konzept des Networking weitergeführt wird und der Talente aus der ganzen Welt anziehen soll.  
 

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