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21.04.2026
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Daten für eine blühende Zukunft

FUSION GRANT: Eurac Research und Piano Green untersuchen die Klimaauswirkungen auf Südtiroler Weiden 

Mehr als nur eine Frage der Temperatur: Der Klimawandel kann die Vitalfunktionen der Pflanzen auf Almwiesen aus dem Gleichgewicht bringen und in der Folge das gesamte Ökosystem schwächen. Ausgehend von dieser Erkenntnis haben Eurac Research und das Start-up Piano Green das Projekt GRASSROOTS ins Leben gerufen. Die Initiative wird von Fusion Grant unterstützt und soll den Südtiroler Almwiesen zu größerer Resilienz verhelfen. 

Im Zuge der Forschungstätigkeit im Matschertal auf 1.500 bis 2.300 m Meereshöhe wurden insgesamt 19 Funktionsmerkmale der vorgefundenen Pflanzen erfasst und als Knotenpunkte eines Netzwerks miteinander in Beziehung gesetzt: von Biomasse über Chlorophyll und Wasserspeicherung bis hin zu Vegetationsindizes in Verbindung mit dem Gesundheitszustand der Pflanzen. Aber damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit dem Hagelschutzkonsortium Südtirol und zwei lokalen landwirtschaftlichen Betrieben hat GRASSROOTS auch auf vier landwirtschaftlichen Grünflächen in Südtirol und dem Trentino Daten erfasst, um Vergleiche zwischen bewirtschafteten und naturbelassenen Flächen anstellen zu können. 

Dabie hat sich gezeigt, dass das Netzwerk mit sinkender Temperatur an Dichte und Zusammenhalt verliert, wodurch die Wiese weniger widerstandsfähig wird. Ökologisch gesehen bedeutet dies, dass die Funktionen der Pflanze – Wachstum, Lichtaufnahme, Wasserhaushalt – weniger koordiniert ablaufen. „Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Temperatur aus, sondern verändert auch die Beziehungen zwischen den lebenswichtigen Funktionen der Pflanzen“, erklärt die 29-jährige Forscherin Elsa Andres, Postdoktorandin am terraXcube von Eurac Research, die mit der Betreuung der Aktivitäten des Fusion-Grant-Projekts betraut wurde. Mit einem Bachelor-Abschluss in Theoretischer Physik, einem Master-Abschluss in Komplexen Systemen und einer Promotion in Netzwerk- und Datenwissenschaften an der Central European University in Wien kam Elsa Andres dank Fusion Grant nach Bozen. 

Der Schwerpunkt des zweiten Teils von GRASSROOTS lag auf Extremwetterereignissen. Starkregen und Stürme können den physiologischen Zustand von Pflanzen verändern – auch, wenn diese auf den ersten Blick gesund aussehen mögen. Zur Untersuchung der Auswirkungen von widrigen Wetterphänomenen bediente sich das Team einer innovativen Klimakammer von Piano Green namens „Microcosmo“, in der Temperatur, Lichteinfall und Feuchtigkeit präzise gesteuert werden können. Durch morphologische Analysen der Pflanzen und spektroskopische Untersuchungen vor und nach den simulierten Regenfällen konnten jene Arten identifiziert werden, die von plötzlichen Stresssituationen am wenigsten beeinflusst werden. „Auf diese Weise lassen sich die Labordaten in konkrete Empfehlungen für die Praxis umsetzen“, erklärt die Forscherin. Die Ergebnisse ermöglichen es nämlich, Landwirte bei der Auswahl widerstandsfähigerer Arten zu unterstützen, die Mähzyklen besser zu planen und die Weidebewirtschaftung an ein zunehmend instabiles Klima anzupassen. 

„Dieses Projekt bot mir nicht nur eine berufliche Chance, sondern auch die Möglichkeit, theoretische Instrumente auf reale Probleme anzuwenden“, kommentiert Elsa Andres. „Die Zusammenarbeit mit Piano Green und dem NOI Techpark war ein Beispiel dafür, wie die Integration von Forschung und Wirtschaft angewandte Innovation beschleunigen und konkrete Ergebnisse in der Praxis erzielen kann“, fügt der Projektleiter von Eurac Research, Abraham Mejia-Aguilar, hinzu. Die erzielten Ergebnisse, die auch auf internationaler Ebene auf der IEEE SmartAgri&Susy 2025-Konferenz vorgestellt wurden, ebnen nun den Weg für weitere Entwicklungen. 

Dieses ist eines von zehn Projekten der dritten Ausgabe von Fusion Grant, einer Initiative der Stiftung Südtiroler Sparkasse in Kooperation mit NOI Techpark, dem Südtiroler Wirtschaftsring und Rete Economia-Wirtschaftsnetz. Diese fördert gezielt Kooperationen zwischen Südtiroler Unternehmen und Forschungsinstituten – und eröffnet jungen Forschenden unter 40 den Einstieg in praxisnahe Projekte.