Smarter Algorithmus gegen feuchte Keller

FUSION GRANT: ACCO Solutions und Eurac Research wollen das Raumklima in Kellerräumen verbessern
In Kellern fehlen oft Lüftungssysteme oder Heizungen – zudem wird selten aktiv gelüftet. „Da Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Laufe des Jahres starken Schwankungen unterliegen, sind unbeheizte Keller immer wieder Bedingungen ausgesetzt, bei denen warme, feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft“, erklärt Daniel Herrera von Eurac Research. Das erhöhe das Risiko der Oberflächenkondensation und des Schimmelbefalls. Herrera ist wissenschaftlicher Leiter von SMARTAIR, einem Projekt, das sich auf unbeheizte Räume, die nicht zum Wohnen gedacht sind, konzentriert: etwa Lagerkeller oder gewerblich genutzte Untergeschosse. Direkte gesundheitliche Auswirkungen seien dort gering, da sich Menschen nicht dauerhaft aufhalten – auf dort gelagerte Gegenstände oder Ware aber kann sich Schimmel bilden.
Eurac Research arbeitet im Projekt mit ACCO Solutions zusammen, einem Spezialisten für Mauertrockenlegung und Feuchtigkeitsdiagnostik. Andreas Pichler brachte entscheidende Praxiserfahrung ein und erkannte, dass Feuchtigkeit im Keller nicht immer aufsteigend ist. Daraus entstand gemeinsam eine neue Lösung, die im Rahmen der von der Stiftung Südtiroler Sparkasse geförderten Initiative Fusion Grant weiterentwickelt wurde.
Zentrale Grundlage sind präzise Simulationsmodelle, die anhand realer Kellerräume über längere Zeit kalibriert wurden. „Daraus können wir lernen und die Erkenntnisse künftig auf andere Fälle übertragen“, sagt Herrera. Langfristig sollen daraus übertragbare Modelle für typische Kellerarten entstehen, die sich auf eine Vielzahl von Gebäuden anwenden lassen.
Der entwickelte Prototyp: eine kleine Box als Steuereinheit mit einer Software. Diese kommuniziert mit Sensoren, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen, und interagiert dann mit verschiedenen Geräten. Wann gelüftet, geheizt oder entfeuchtet werden soll, entscheidet ein Algorithmus im System. „Anhand der Informationen zu Temperatur und Luftfeuchtigkeit – innen wie außen – soll das System immer die Lösung wählen, die ein gutes Raumklima sicherstellt und gleichzeitig möglichst wenig Energie verbraucht „, so Herrera.
Noch konzentriert sich SMARTAIR auf ausgewählte Gebäudetypen und regionale Bedingungen. Langfristig soll das System jedoch unabhängig von Gebäudeart und Klima funktionieren – und damit breit einsetzbar werden. Eine Weiterführung der Zusammenarbeit mit ACCO Solutions ist bereits geplant. Herrera ist überzeugt, dass das Projekt auf diesWeise irgendwann eine industrielle oder kommerzielle Anwendung finden könnte.
Intelligentes Monitoring und die Rolle der KI werden dabei von großer Bedeutung sein. „Zum einen wollen wir untersuchen, wie Wetterprognosen an einem konkreten Standort in das System einfließen können, zum anderen wollen wir dem System beibringen, wie es reagieren soll, noch bevor eine Wetteränderung eintritt“, erklärt Herrera. Durch die Kombination von Wettervorhersagen und dem virtuellen Modell als „digitalem Zwilling“ könnte man prognostizieren, wie sich die Bedingungen entwickeln werden, und entsprechend schon im Voraus Anpassungen vornehmen.
Während der laufenden Fallstudien – in einem Wohnhaus in Bozen und einem Weingut in Eppan – meldeten sich zahlreiche Interessierte. „Wir hatten viele Menschen, die ihre Keller für Tests zur Verfügung stellen wollten“, berichtet Herrera. Für ihn ein klares Zeichen: „Wir haben ein reales Problem identifiziert – und eines, für das die Menschen dankbar wären, wenn wir eine Lösung dafür finden.“
SMARTAIR ist eines von zehn Projekten der dritten Ausgabe von Fusion Grant, einer Initiative der Stiftung Südtiroler Sparkasse in Kooperation mit NOI Techpark, dem Südtiroler Wirtschaftsring und Rete Economia-Wirtschaftsnetz. Diese fördert gezielt Kooperationen zwischen Südtiroler Unternehmen und Forschungsinstituten – und eröffnet jungen Forschenden unter 40 den Einstieg in praxisnahe Projekte.









