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18.05.2026
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Die Luft in unseren vier Wänden

FUSION GRANT: Wolf System und Eurac Research testen Fertighaus-Bauteile auf Emissionen

Baumaterialien oder Einrichtungsgegenstände sind in Wohngebäuden die Hauptquellen flüchtiger organischer Verbindungen, kurz VOC. Gerade heute ist es aufgrund der hohen Luftdichtheit in neuen und renovierten Häusern wichtig, diese Stoffe zu untersuchen. Was gut ist für die Energieeffizienz, sorgt nämlich gleichzeitig dafür, dass es weniger natürlichen Luftaustausch gibt, erklärt Forscher Francesco Babich von Eurac Research und erwähnt das Prinzip „build tight, ventilate right“. Forscherin Chiara Nomellini nennt als Grund für die Untersuchungen auch die lange Tradition der Holzverarbeitung innerhalb der Provinz: „Holz ist grundsätzlich ein nachhaltiges Material, kann aber durch bestimmte Verarbeitungsprozesse zu einer Quelle von VOC werden.“ Günstigere Möbel, die eher mit Klebstoffen gebunden werden, können manchmal Stoffe wie Formaldehyd freisetzen, das Reizungen der Augen, Asthma und ähnliche Beschwerden auslösen und auch krebserregend wirken kann. 

Nicht alle VOC haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Babich betont: „Auch bei den bedenklichen Stoffen handelt es sich nicht um unmittelbare Gefahren.“ Vielmehr gehe es um Langzeitwirkungen. Deshalb arbeitet das Projekt ECO-AIR von Eurac Research und Wolf System daran, die Emissionen der vom Unternehmen hergestellten Materialien zu bewerten, um deren potenzielle langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit untersuchen zu können. 

Das Labor von Eurac Research mit dem Forschungsteam von Babich und Nomellini beschäftigt sich mit der Luftqualität in Innenräumen und Bewertung der Emissionen von VOC. Gemeinsam mit dem Unternehmen Wolf System entstand das Projekt ECO-AIR. Nomellini blickt positiv auf die Zusammenarbeit: Das Unternehmen bringt seine Erfahrung in der Planung und Realisierung von Fertighäusern mit, ihr Team die wissenschaftliche Expertise. „Es ist nicht nur wichtig, die Qualität der Materialien zu beobachten, sondern auch, was in einem fertigen und bewohnten Haus passiert“, so Nomellini. Ziel ist es also, diese beiden Aspekte zusammenzuführen und insgesamt die Luftqualität in den vom Unternehmen gebauten Fertighäusern zu untersuchen. Francesco Babich ist überzeugt, dass diese Themen zukünftig noch relevanter werden: „Durch ECO-AIR kann sich das Unternehmen im Markt positionieren und das Interesse, seine Materialien zu optimieren, nach außen tragen.“ 

Insgesamt sechs verschiedene Materialien von Wolf System wurden im Rahmen von ECOAIR getestet: Proben von Wandteilen, Dach- und Deckenelementen. „In unserem Labor verfügen wir über würfelförmige und luftdichte Klimakammern. Im Inneren können wir die Umweltbedingungen nachbilden, die typischerweise in einer Wohnung herrschen“, erklärt Chiara Nomellini. Die Materialprobe wird in eine Kammer gelegt, die Luft in festgelegten Zeitabständen untersucht. Mithilfe chemischer Analyseverfahren können die Forschenden feststellen, welche Moleküle von den Materialien in welcher Konzentration freigesetzt werden. Dennoch: Der beste Ansatz ist eine Kombination aus Laboranalysen und Messkampagnen in realen Gebäuden. Während im Labor kontrollierte Bedingungen herrschen, sind die Materialien im Alltag unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt. „Hier kann man beobachten, wie sich die Werte im Laufe der Zeit verändern“, erklärt Babich und betont in diesem Zusammenhang auch den Einfluss durch das Verhalten der im Haus lebenden Menschen. Die bisherigen Forschungsergebnisse sind insgesamt sehr gut, so das Resümee. Besonders problematische Konzentrationen oder Verbindungen gab es keine. 

„Die Zusammenarbeit mit einem Forschungszentrum kann immer zu neuen Ideen und Produkten führen. So können Unternehmen durch Initiativen wie Fusion Grant Lösungen entwickeln, lange bevor Probleme auftreten“, ist Francesco Babich überzeugt. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nach Abschluss des einjährigen Fusion-Grant-Projekts ist denkbar. Immerhin profitieren wir alle davon, wenn Gebäude gesünder zum Leben und Arbeiten sind. 

ECO-AIR ist eines von zehn Projekten der dritten Ausgabe von Fusion Grant, einer Initiative der Stiftung Südtiroler Sparkasse in Kooperation mit NOI Techpark, dem Südtiroler Wirtschaftsring und Rete Economia-Wirtschaftsnetz. Diese fördert gezielt Kooperationen zwischen Südtiroler Unternehmen und Forschungsinstituten – und eröffnet jungen Forschenden unter 40 den Einstieg in praxisnahe Projekte.