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Eine Reise in die Zukunft – ohne Fahrer
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2019-12-03 2019-12-03 3 Dezember 2019 - Silvia Pagliuca
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Die Bürger von Meran durften ein autonomes Fahrsystem testen. Die künstliche Intelligenz revolutioniert die Mobilität: Das innovative und nachhaltige Projekt ist nicht zufällig in der Green Region Südtirol ins Leben gerufen und vom NOI Techpark als technischer Partner unterstützt worden.

Können Sie sich noch an den legendären DeLorean erinnern, das Auto, mit dem Marty McFly und Doc durch die Zeit reisten? Ja? Dann können Sie sich das Fahrzeug der Zukunft, das in Meran unterwegs war, sicherlich in etwa vorstellen. Es heißt Navya und es handelt sich dabei um einen Shuttlebus, der ohne Lenker und allem Anschein nach auch ganz ohne Lenkrad sowie Kupplungs- und Bremspedal fahren kann. In Wirklichkeit wird der Shuttlebus nicht von einem Menschen, sondern von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, die auf 17 Satelliten und ein hoch entwickeltes GPS-System zurückgreift.
Der Testlauf von Navya in Meran wurde durch den NOI Techpark ermöglicht, der vorrangig Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorantreibt, die Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verknüpfen. Der Shuttlebus ist nämlich nicht nur ein zukunftsweisendes, sondern auch ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, da er vollkommen elektrisch angetrieben wird. „Wir verfolgen das Ziel, unsere Städte zu begrünen und Parkplätze zu reduzieren. Damit wir dieses Ziel erreichen können, müssen wir den öffentlichen Personenverkehr ausbauen. Das stellt für eine alpine Region wie unsere eine wahre Herausforderung dar. Wir sehen uns nämlich völlig anderen Dynamiken ausgesetzt als die hoch urbanisierten Gebiete in den Großstädten“, erläutert Hubert Hofer, Vizedirektor des NOI Techpark.

Gemeinsam für die Mobilität der Zukunft 

Jede Herausforderung kann sich durch die richtige Herangehensweise jedoch schnell in eine Chance wandeln. Somit war Meran die erste Stadt Italiens, in der der selbstfahrende Shuttlebus im Rahmen des Projekts Mentor, das mit 1,5 Mio. Euro vom Kooperationsprogramm Interreg V-A Italien-Schweiz finanziert wird, getestet wurde. Die Testphasen des europäischen Projekts werden in erster Linie in den Stadtgemeinden Meran und Brig-Glis in der Schweiz durchgeführt. Die technologischen Partner des Projekts sind der NOI Techpark sowie SASA und PostAuto, Unternehmen, die sich auf Mobilität und innovative Technologien spezialisiert haben.
Durch diese Zusammenarbeit wurde die einwöchige Testphase in Meran erst möglich und Hunderte Fahrgäste konnten den selbstfahrenden Shuttlebus testen. Das Shuttle wurde vom französischen Unternehmen Navya und seinem italienischen Partnerunternehmen I-Mobility Garage zur Verfügung gestellt und mit den Farben der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol sowie den Logos der Institutionen und Unternehmen, die am Projekt beteiligt sind, gebrandet. Navya ist der Weltmarktführer in der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge und kann auf die Erfahrung aus über 1,5 Mio. weltweit zurückgelegten Kilometern zurückgreifen. In mehr als 20 Ländern wurden bereits Testprojekte mit autonomen Fahrsystemen von Navya genehmigt, darunter in Frankreich, Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg, Norwegen, Schweden, Monaco, Estland und in der Schweiz. 

Zum ersten Mal in Italien

Der Shuttlebus, der Platz für 15 Passagiere bietet, fuhr auf einer für die Fußgänger und den Verkehr gesperrten Strecke durch die historischen Gassen Merans. Autonome Fahrsysteme sind in Italien nämlich nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Die Unternehmen gehen jedoch davon aus, dass die Vorschriften in naher Zukunft gelockert werden, um mit den internationalen Best Practices mithalten zu können. 
Die Testphase in Südtirol war in jeder Hinsicht ein „erstes Mal“ für Italien: Zum ersten Mal wurde der Bevölkerung ein selbstfahrender Bus zur Verfügung gestellt. „In Italien gab es noch nie zuvor ein vergleichbares Projekt: Die Meraner Bürger hatten die Gelegenheit, diese neue Form der Mobilität eine Woche lang zu testen, um eine Vorstellung des Personenverkehrs der Zukunft in ihrer Stadt zu bekommen“, erklärt Roberto Cavaliere, Experte für digitale Technologien am NOI Techpark. „Wir haben die Gemeinde bei der Auswahl des Partnerunternehmens für die Testphase unterstützt. Anschließend haben wir sichergestellt, dass das Fahrzeug die Route anhand von Sensoren korrekt erfasst. Nach einer Einlernphase von einigen Tagen konnte der Shuttlebus bereits die für die Testphase festgelegte Route in knapp 10 Minuten autonom abfahren.“ 

Sicherheit im Straßenverkehr

Man stellt sich unweigerlich die Frage, was geschieht, wenn der Shuttlebus im Straßenverkehr unterwegs ist. Ist der Bus imstande, unerwartete Hindernisse zu erkennen, an roten Ampeln stehen zu bleiben und die Verkehrsregeln zu beachten? Roberto Maldacea, Direktor von I-Mobility Garage, zerstreut jeden Zweifel: „Der Shuttlebus ist mit fortschrittlichen Technologien ausgestattet, die absolute Sicherheit gewährleisten. Laut einer Studie, die von mehreren Versicherungsgesellschaften durchgeführt wurde, fällt die Risikoquote des selbstfahrenden Busses um 60 % geringer aus als bei Bussen, die von einem Menschen gelenkt werden. Darüber hinaus lässt sich Navya nicht von Mobiltelefonen ablenken, grüßt beim Fahren keine Bekannten, tritt nicht aufs Gas, wenn die Ampel auf gelb schaltet, und hat eine Fehlerquote von lediglich einem Zentimeter“. Der Shuttlebus ist zudem bereits für den Betrieb im 5G-Netz vorbereitet und fährt den internationalen Bestimmungen entsprechend nur 25 km/h schnell. Er ist mit einer Technologie ausgestattet, die speziell für den Einsatz in historischen Stadtzentren, in verkehrsberuhigten und Fußgängerzonen, in Krankenhäusern, auf Universitätsgeländen, in Themenparks und in großen Unternehmen entwickelt wurde. 
Er stellt somit in jeglicher Hinsicht eine absolute Neuheit in der Mobilität dar. Eine Neuheit, die die Stadtgemeinde Meran in Kombination mit einigen anderen Maßnahmen ergründen möchte: „Der Shuttlebus ist sehr viel mehr als nur ein einfacher selbstfahrender Elektrobus“, so die Gemeinderätin für Mobilität, Madeleine Rohrer. „Er ist ein neuer Lösungsansatz für den städtischen Verkehr. Ein Projekt, das mit dem Bike-Sharing, dem Carpooling und dem Bus auf Abruf, der ganz unkompliziert in Echtzeit über das Smartphone gerufen werden kann, im Einklang steht. Wir sind davon überzeugt, dass maßgeschneiderte Mobilitätslösungen, die durch die direkte Einbeziehung der Bürger und spezialisierter Unternehmen wie NOI Techpark zunehmend an individuelle Bedürfnisse angepasst werden, unsere Städte lebenswerter machen können.“ 

FACT SHEET

NOI Techpark ist technologischer Partner des Projekts Mentor. Das dreijährige Projekt hat zum Ziel, die Mobilität in den alpinen Regionen Südtirol und der Schweiz neu zu definieren. Es soll ein funktionales Ad-hoc-System für Gebiete entwickelt werden, in denen es keine Metropolen, sondern viele kleinere Städte gibt, die miteinander verknüpft werden sollen. Der Fokus des Projekts liegt auf drei Punkten: Einführung eines Bike-Sharing-Dienstes, Schaffung der Kultur (und einer Plattform) für das Carpooling und Erneuerung des Konzepts des öffentlichen Personenverkehrs in Richtung von Verkehrsmitteln auf Abruf, wobei die Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt werden, um einen auf sie zugeschnittenen Dienst zu schaffen. 

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