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Wo Photovoltaik-Experten sich neue Energie holen
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2019-07-18 2019-07-18 18 Juli 2019 - Gabriele Crepaz
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Green Technology: Kann man den Herstellern trauen? Und umgekehrt: Können Forscher erraten, was Unternehmen brauchen? Manchmal ja. Besser: Forscher und Firmen festigen ihr Wissen in einer strategischen Partnerschaft. So wie Viridis Energia, ein Unternehmen, das im Photovoltaik-Markt erfolgreich ist, und Eurac Research. Zusammengebracht hat die beiden NOI Techpark.

 

Es sah zunächst wie eine Niederlage aus. Viridis Energia, ein Independent Power Provider und Asset Manager von Photovoltaik-Anlagen aus Ancona, liebäugelte damit, sich in Südtirol niederzulassen. Und gab dann dem Trentino den Vorzug. Unsere Nachbarn waren einfach schneller gewesen. Doch dann krempelte Stefano Dal Savio die Ärmel hoch. Der Head der Green Technologies im NOI Techpark fädelte Anfang 2019 ein Treffen ein. Mehr noch. Eine langfristige strategische Partnerschaft. Zwischen Erfahrung und Know-how. Zwischen Viridis Energia und dem Institut für Erneuerbare Energie von Eurac Research: „Diese Zusammenarbeit ist viel wertvoller“, sagt Dal Savio, „sie bereichert unser Wissen um Erfahrung und wird unsere Produkte am Markt erfolgreich machen“.

Memorandum of Understanding: Viridis und Eurac Research erklären Absicht zur strategischen Zusammenarbeit

Den Partnern ist es ernst. „Viridis will sich vom reinen Herstellerwissen abheben, also von unseren Tests und unserem Wissen lernen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt David Moser, Photovoltaikexperte und Forschungsgruppenleiter bei Eurac Research. Claudio Gigli, CEO von Viridis Energia, will den Forschern die Marktsicht vermitteln: „Wir können genau sagen, welche Erkenntnisse und Produkte wir brauchen von der Wissenschaft.“ Ein Memorandum of Understanding wurde unterzeichnet. Die wesentliche Absicht: Wissenszuwachs durch Tests, Austausch von Know-how und Anforderungen, Zusammenarbeit in konkreten Projekten, und über allem: Erfolg am Markt, der stark in Bewegung ist.

Photovoltaik, die lange umstrittene Technologie unter den regenerativen Energien, setze sich allmählich durch, sagt David Moser. Acht Prozent des italienischen Stroms kommen aus PV-Anlagen, bis 2030 will Italien vor allem in Sonnen- und Windenergie investieren. Weltweit gilt PV als ökonomischste Art, Strom zu erzeugen. „Photovoltaik ist längst nicht mehr eine Nische“, ist David Moser überzeugt. Öffentliche Förderungen haben die Anlagen erschwinglich gemacht, die Autoindustrie hat die Forschung befeuert, das Problem der Energieakkumulation wird in absehbarer Zeit gelöst sein, das Recycling der Komponenten ist angelaufen, die Energie, die zum Bau eingesetzt wird, wird laut David Moser im Betrieb fünf Mal hereingeholt. „Photovoltaik musste sich immer rechtfertigen“, sagt er, „für die Probleme, die jetzt noch auftauchen können, haben wir die Lösungen bereits in der Schublade“.

Drei Aktionsfelder: Testfeld, Risikominimierung, digitale Datenplattform

Volle Kraft voraus also. So ist auch die Zusammenarbeit zwischen Viridis Energia und den Experten des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research angelaufen. Drei Aktionsfelder haben die Partner bereits ausgemacht: Photovoltaik-Module von Viridis werden im Testfeld von Eurac Research in der Nähe des Bozner Flughafens analysiert. „Die Viridis-Techniker wollen ihr Photovoltaik-System besser kennenlernen“, sagt David Moser, „wollen mehr verstehen als die Hersteller ihnen verraten“. Optimierung verspricht man sich bei Viridis auch von der Methode Solar Bankability, ein Horizon-2020-Projekt unter der Leitung von Eurac Research, mit dem Investitionsrisiken von PV-Anlagen minimiert werden können. Im Gegenzug holt Eurac Research bei Viridis ein Test-Feedback ein zu dem neuen EFRE-Projekt Photovoltaik 4.0, das David Mosers Forschungsgruppe gemeinsam mit der Firma Saidea entwickelt: Mit einer einzigen App sollen Unternehmen künftig ihre PV-Anlagen verwalten, überwachen und warten können. „Heute sind alle Daten verstreut. Wir verlieren da mehr Zeit als wir Nutzen gewinnen“, erklärt David Moser. Neben Viridis werden auch die Energie-Player OET, Elpo, PVEnergy und Bay.Wa r.e Italia die digitale Plattform vor Markteinführung verbessern. 2020 im Sommer soll der erste Prototyp da sein.

Konkret statt futuristisch: eine Partnerschaft mit Sinn fürs Wesentliche

Zeit genug, sich kennenzulernen. Im Moment sind die beiden Partner voneinander sehr angetan. So sagt Claudio Gigli über Eurac Research: „Sie arbeiten nicht futuristisch, sondern konkret. Erste Resultate haben wir schon auf dem Tisch.“ Und David Moser bescheinigt Viridis: „Sie sind überzeugt von der Photovoltaik. Sie wollen diese Technologie bis ins kleinste Detail beherrschen. David Moser selbst muss gerade eine private Bewährungsprobe bestehen: Er will dem Kondominium, in dem er wohnt, zu einer Photovoltaik-Anlage verhelfen. „Schwieriger als gedacht“, erzählt er. Die Nachbarn? Nein, sagt er, eher die geschwungene Dachform.

FACT SHEET

Viridis Energia ist ein Independent Power Producer (IPP) im Bereich Photovoltaik und Biogas. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Ancona, heute operiert Viridis von Mailand, Ancona und Rovereto aus. Als Asset Manager baut, betreibt und optimiert das Unternehmen seit 2010 Photovoltaik-Anlagen in Italien. 2019 haben Viridis Energia und Eurac Research, wo seit 15 Jahren zum Thema Photovoltaik geforscht wird, ein Memorandum of Understanding unterzeichnet und damit eine strategische Partnerschaft zum wechselseitigen Austausch von Erfahrung und Know-how und zur Kooperation in Projekten begründet. Eingefädelt wurde die Zusammenarbeit von den Experten der Unit Green Technologies im NOI Techpark.

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