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Wie Beacons Südtirol vernetzen
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2020-01-14 2020-01-14 14 Januar 2020 - Alexander Ginestous
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Bluetooth-Technologie verbindet Südtirol mit der Welt des IoT. Eine „Smart Region“ zu erschaffen – das ist das erklärte Ziel des Landes und von NOI Techpark. Gemeinsam bringen sie ihr Know-how zusammen, um Tourismus, Mobilität und noch vieles mehr ins Zeitalter der Digitalisierung zu katapultieren. Ein nicht unwesentlicher Faktor: Gamification.

Es sind kleine, kaum erkennbare Bluetooth-Geräte, die im ganzen Land verstreut sind – an sogenannten „Points of Interest“. Und ihre Aufgabe erscheint auf dem ersten Blick simpel: Sie sollen Südtirol besser vernetzen. Die Beacons (oder auf gut Deutsch Funkbaken) sind ein wesentliches Element, um unsere ‚Green Region‘ auch ‚smarter‘ zu machen. Diese Technologie ermöglicht es, regelmäßig Signale auszusenden, die es Apps auf verschiedenen Geräten ermöglichen, gewisse Funktionen zu aktivieren. Kurz gesagt ist es ein praktisches Mittel, um Informationen zu versenden und zu erhalten. Das klingt zunächst sehr nach Zukunftsmusik – aber tatsächlich werden diese Geräte von vielen Menschen in verschiedensten Gegenden verwendet. So auch bei einem Event von NOI Techpark und der Autonomen Provinz Bozen am Donnerstag, 14. November, in Schloss Maretsch in Bozen. Die Veranstaltung sollte dazu dienen, das Beacon-Projekt Südtirol-Alto Adige zu präsentieren. Das Projekt wird vom EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) finanziert und von der Digital Unit von NOI Techpark und der Division 9.0 der Provinz koordiniert. Durch ‚Gamification‘ wurde dem Ganzen sogar eine spielerische Komponente hinzugefügt. Dazu aber später mehr.

Das IoT erobert Südtirol

Wie schon erwähnt, nutzen Beacons Bluetooth, um zwischen verschiedenen Geräten Informationen auszutauschen. Dadurch können Apps, die zum Beispiel auf unserem Smartphone installiert sind, die Baken identifizieren und so verschiedenste Funktionen aktivieren. Hat man ein ganzes Netz mit Beacons und einem IoT-Testnetz, kann man damit die Entwicklung von neuen Ideen und innovativen Produkten antreiben. „Wir wollen eine Infrastruktur aufbauen, die vor allem den Nutzern zugutekommt. Bis zu 3.500 Beacons sollen in ganz Südtirol verteilt werden, die uns wichtige Informationen zu Umwelt, Tourismus und Nachhaltigkeit liefern können“, erklärt Kurt Pöhl, Leiter der IT-Abteilung der Autonomen Provinz Bozen. Begonnen hat alles im Mai 2018 und bis Jänner 2020 soll dann alles fertig sein. Dabei verspricht man sich einiges von diesem Vorhaben: Es soll eine Umgebung geschaffen werden, die sowohl Talente anziehen als auch die Gründung von Start-ups (besonders im Bereich Internet of Things) in Südtirol antreiben soll; außerdem soll der Tourismus davon profitieren.

Gerade das Internet of Things kommt einer regelrechten Revolution gleich. Mittlerweile kann alles übers Internet miteinander verbunden werden, was Software oder Sensoren beinhaltet und im Stande ist, Daten mit anderen Geräten auszutauschen – seien es Fahrzeuge oder einfache Haushaltsgeräte. Diese Verbindungen und der Informationsaustausch haben zur Folge, dass die Welt rund um uns herum sozusagen in digitale Systeme integriert wird und umgekehrt. Folglich steigt die Effizienz, man profitiert wirtschaftlich und dem Menschen wird Arbeit abgenommen. Funkbaken bringen eine Fülle von Möglichkeiten mit sich: Während es mit GPS relativ schwierig ist, in geschlossenen oder überdachten Räumen ein Signal zu bekommen bzw. abzugeben, haben Beacons dieses Problem nicht. Außerdem kann das Smartphone mit ihnen präziser mit Orten und Gegenständen interagieren. So können zum Beispiel Push-Nachrichten oder Services in der Nähe des Sensors leicht aktiviert werden.

Das Beacon-Projekt Südtirol-Alto Adige

Aber kommen wir auf unser Südtiroler Projekt zurück: Wie Digital-Experte Patrick Ohnewein von NOI Techpark erklärt, besteht das Projekt aus diversen Etappen: In erster Linie soll eine kontinuierlich wachsende Community geschaffen werden. Dann werden das Beacon-Netzwerk und das im NOI installierte LoRaWan aktiviert. LoRaWan ist ein WiFi speziell fürs IoT. Im Gegensatz zu den Baken, die nur Signale aussenden können, kann das Netzwerk diese empfangen. Dadurch können Applikationen für Datenanalyse entwickelt werden. Nicht zuletzt will man drei Applikationen bauen: die Beacon Map, die ganz Südtirol umfassen soll, der Beacon Südtirol Guide Alto Adige und die Beacon Adventure Map, die sowohl Baken als auch Gamification nutzt. Ohnewein ist von diesem Projekt begeistert: „Diese Technologie zeigt uns, wie es der Welt um uns herum geht, wodurch wir strategisch eingreifen können, um sie zu verbessern. Unser Beitrag zum Projekt ist unser Open Data Hub, eine gigantische Datenbank mit unzähligen Daten und Informationen über unser Land. Jede Branche und jeder Bereich, vom Tourismus bis zur Mobilität, alles, was sich mit den Beacons verbinden kann, kann auch auf diese Daten zurückgreifen.“

Kleine Beacons für verschiedene Zwecke

Wo finden wir aber diese Beacons? „Überall“, sagt Adriano Venturini von Suggesto. Und ihr Nutzen variiert von Bake zu Bake. In der Stadt zum Beispiel erhält man dadurch Infos zu den öffentlichen Verkehrsmitteln; Websites mit kulturellen Events können darauf zurückgreifen, um den Nutzern eine personalisierte User-Experience mit digitalen Inhalten anzubieten. Am Londoner Flughafen Gatwick wird diese personalisierte Nutzererfahrung schon angewendet. Um Beacons in Südtirol salonfähig zu machen und die Südtirol Info-App fürs Land zu entwickeln, wurde die Firma Suggesto angeheuert. „Es ist eine Freude, an diesem Projekt zu arbeiten. Wir haben in die Applikation zwei neue Funktionen eingebaut: einerseits Geolokation des Users; andererseits eine Funktion, die Interessen des Users auf dem Schirm hat und ihm anhand dessen Vorschläge zusendet. Der Gedanke dahinter ist, dem Nutzer Infos anhand seiner Interessen zu liefern“, erklärt Venturini. Der Blick hat sich aber schon wieder weiter in die Zukunft des IoT gerichtet: Mit Spannung erwartet man die Einführung des Bluetooth 5.1. Diese Technologie ermöglicht, Geräte in unmittelbarer Nähe und in geschlossenen Räumen auszumachen. Schon länger in aller Munde ist das 5G-Netz, mit dem es möglich sein wird, mit mehreren Geräten gleichzeitig in Höchstgeschwindigkeit zu surfen. Und zu guter Letzt zwei Begriffe, deren fortwährende Entwicklung momentan auf Hochtouren läuft, nämlich Big Data und Machine Learning. Letzteres ist eine Art künstliche Intelligenz, mit der man von Daten Informationen ableiten kann, um mit diesen Algorithmen anzupassen, Prognosen abzugeben und Entscheidungen zu erleichtern.

Gamification: Beacons als Spielzeug

Was hat das ganze aber mit Gamification zu tun? Vor einem Jahr hat NOI Techpark das Meraner Unternehmen Capacitas engagiert, um eine Gamification-Plattform für das Beacon-Projekt zu entwickeln. Die Meraner sollten sich dabei mit dieser Frage auseinandersetzen: Wie kann der Dienst so spielerisch gestaltet werden, damit der User zur Verwendung angeregt wird? Wie kann man die Menschen in der Region am besten ansprechen? „Wir hatten für diese Plattform eine klar definierte Zielgruppe: User zwischen 20 und 40 Jahren; Personen, die sich oft in den touristischen Hotspots aufhalten, vor allem Ansässige“, erzählt Hannes Walder von Capacitas und führt weiter aus: „Daraufhin haben wir ihre Bedürfnisse und Interessen untersucht, sodass wir eine authentische und originelle Experience erschaffen konnten. Der User soll aktiv neue Dinge entdecken. Es wurde eine Art „Schnitzeljagd“ durch ganz Südtirol konzipiert, damit daraus eine authentische und nachhaltige Smart Region entsteht.“ Wie das Ganze funktioniert, konnte man sogleich in Schloss Maretsch in Bozen testen. Nur mit einem Smartphone ausgerüstet schlenderten die Teilnehmer des Workshops von Raum zu Raum, um die Geschichte des Schlosses kennenzulernen. Nachdem sie sich mit den Beacons verbunden hatten, die im ganzen Schloss verteilt waren, wurden ihnen Fragen zur Geschichte des Ortes aufs Handy geschickt. Ein interessanter Ansatz, um einem Schloss – aber genauso jedem anderen Ort in der Region – neues Leben einzuhauchen.

FACT SHEET

Die Bluetooth Beacon-Technologie erlaubt es Geräten Informationen auf geringen Distanzen auszutauschen. Das Projekt Beacon Südtirol - Alto Adige wird vom EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) finanziert und der Tech Transfer Digital Unit von NOI Techpark und der Division 9.0 der Autonomen Provinz Bozen koordiniert. Damit soll über ein Beacon- und ein IoT-Test-Netzwerk ein Umfeld geschaffen werden, dass der Entwicklung neuer Ideen, Projekte und Produkte entgegenkommt.

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