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Warum uns die Digitalisierung unterstützt, nachhaltiger zu wirtschaften
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2022-05-16 2022-05-16 16 Mai 2022
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Ob in der Technologieentwicklung bei BMW, bei Fraunhofer IGCV in Augsburg und an der Technischen Universität München: Prof. Rüdiger Daub arbeitete und forscht an vielen Fronten zu den Bereichen  Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Am 19. Mai 2022 wird er seine Erfahrungen als Key Note auf einer Tagung im NOI teilen. 

 

 

Herr Professor Daub, Sie sprechen im NOI zum Thema „Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Produktion“. Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit für Produktionsbetriebe? 

Einen immer zentraleren Stellenwert. In Zukunft wird das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von Industriebetrieben haben. Und zwar in einem ganzheitlichen Sinne. Nachhaltigkeit steht bekanntlich für einen effizienten Umgang mit vorliegenden Ressourcen. Also es geht darum, den Erhalt und die Regenerationsfähigkeit der Ressourcen zu berücksichtigen, um somit eine langfristige Nutzung zu ermöglichen. In den vergangenen Jahrzehnten stand für Betriebe oftmals lediglich der ökonomische Aspekt der Nachhaltigkeit im Fokus. Infolge des Klimawandels und dem damit zusammenhängenden zunehmenden Bewusstseinswandel unserer Gesellschaft sowie politischer Initiativen wie der CO2-Steuer rückte in den vergangenen Jahren auch die ökologische Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund. Durch den demographischen Wandel sowie den Fachkräftemangel beginnen nun mehr und mehr produzierende Unternehmen stärker auf die soziale Nachhaltigkeit des Produktionssystems zu achten, um beispielsweise einer alternden Belegschaft Arbeit ohne zu große körperliche Anstrengungen zu ermöglichen.

Wie aber lässt sich Nachhaltigkeit im Unternehmen effizient umsetzen bzw. abbilden?

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Digitalisierung von Geschäfts- und Produktionsprozessen. Die Digitalisierung bietet Werkzeuge, um Prozesse zu automatisieren oder effizienter steuern zu können. Damit können auch verschiedenste Anliegen der Nachhaltigkeit besser adressiert werden. Oftmals kann schon mit einfachen Tools viel für eine nachhaltigere Produktion erreicht werden. Da in Folge auch mehr Transparenz entsteht, kann Nachhaltigkeit quantifizierbar und bewertbar gemacht werden. Dadurch wiederum können Unternehmen klarer erkennen, wo es Einsparungs- und Verbesserungspotenziale gibt.  

Was sind die ersten Schritte einer Transformation in Richtung Nachhaltigkeit? 

Das ist sehr stark vom jeweiligen Unternehmen abhängig und muss daher von Fall zu Fall definiert werden. Generell lässt sich sagen, dass zu Beginn einer solcher Transformation eine Bestandsaufnahme notwendig ist, wie nachhaltig das Unternehmen aktuell in den drei Bereichen arbeitet. Bei einer solchen Erhebung können digitale Werkzeuge eine große Hilfestellung bieten. Dieses Thema der Messung der Nachhaltigkeit von Produktionsprozessen nimmt in unserer Forschung  bei Fraunhofer wie an der Technischen Universität München gerade eine wichtige Rolle ein. Neben dem Status Quo sollte es am Beginn solcher Prozesse auch um den Sense of Urgency gehen.

Also um die Dringlichkeit?

Ja, es geht dabei um die Notwendigkeit, in der Belegschaft den notwendigen Transformationswillen zu erzeugen. Deshalb braucht es für eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit eine entsprechende Unternehmenskultur. 

Welche Rolle spielt die Forschung bei diesem Wandel, also inwiefern kann sie Betriebe bei der Transformation in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen?

Die akademische Welt ist sicherlich ein wichtiger Impulsgeber und Ideenlieferant für die Industrie. Gerade die anwendungsbezogene Forschung kann dabei eine wichtige Unterstützung liefern, da sie am Zahn der Zeit agiert und einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen und Technologien hat.

Haben Sie ein Beispiel für ein solchen Impuls aus der Forschung? 

Da gibt es sehr viele Möglichkeiten. Zu den wichtigsten würde ich vier große Bereiche zählen. So ist die Forschung ein wichtiger Partner, wenn es darum geht aufzuzeigen, welche potenziellen Anwendungsmöglichkeiten neue Technologien für Unternehmen liefern. Wie kann ich KI-Algorithmen nutzen, um Fügeprozess intelligenter zu steuern, um ein Beispiel zu nennen.  Weiters ist die Vermittlung von praxisrelevantem Wissen, ob in Form von Schulungen oder auf anderen Wegen, sicherlich ein großer Bereich. Doch auch bei der Analyse von Unternehmen sind Forschungspartner sehr nützlich. Denn ihr Blick von außen ermöglicht eine neue Perspektive; so können bestehende Strukturen objektiv hinterfragt und aufgebrochen werden. Ich würde empfehlen, sich als Unternehmen von Forschungspartnern zusätzlich bei der Vermittlung des Sense of Urgency unterstützen zu lassen. Denn ohne breiten Rückhalt in der Belegschaft kann die Transformation nicht erfolgreich gestaltet werden.

Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Daub ist seit Juni 2021 Leiter des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV in Augsburg. Parallel dazu hält er einen Lehrstuhl für Produktionstechnik und Energiespeichersysteme am Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften iwb der Technischen Universität München. Vor seiner Berufung war der Elektro- und Informationstechniker neun Jahre in der Technologieentwicklung bei der BMW Group tätig. 

 

 

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