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Von der Kletterwand für Sehbehinderte zu einer Kabine für Passfotos in 3D: So verwandeln KMU die Ideen der Zukunft in Wirklichkeit
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5 Juli 2019 -
Chiara Currò Dossi
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„Labs.4.Smes“ ist ein europäisches Projekt, das verschiedene Welten zusammenführt, damit „gute Ideen nicht auf der Strecke bleiben“. Nun wurden die Ergebnisse im NOI Techpark präsentiert.  

Was haben eine Kletterwand für Sehbehinderte und ein High-Tech-Treibhaus für einen Bergbauernhof gemeinsam? Und was verbindet eine Fotokabine, die Menschen scannt und sie in Miniatur wiedergibt, mit einem innovativen Kontrollsystem für Komfort? Sie alle bauen auf diesen drei Säulen auf: die Idee eines KMU, der Drang zur Innovation und ein Projekt, das bei der konkreten Umsetzung hilft. Genau so ein Projekt ist „Labs.4.Smes“. Fragt nach – zum Beispiel bei einem Handwerker oder dem Besitzer eines kleinen Familienunternehmens mit langer Tradition, dessen Geschichte schon einige Generationen auf dem Buckel hat. Fragt ihn, was er davon hält, sich seiner ganzen Werkzeuge zu entledigen und nur mit einem 3D-Drucker zu arbeiten. Im ersten Moment würde er euch wahrscheinlich für verrückt erklären. Vielleicht ist er auch ein wenig diplomatischer und sagt euch, dass „Innovation in seinem kleinen Betrieb keinen Platz hat“. Es kann aber auch ganz anders kommen und die Vereinigung dieser anscheinend so weit auseinander liegenden Welten der KMU und der Innovation lässt etwas Außergewöhnliches entstehen. Aus einer Idee, die schon seit Längerem im Kopf herumschwirrt, jedoch nicht die Möglichkeit hatte, sich ob der zahlreichen Verpflichtungen, die die tägliche Arbeit in einem Betrieb mit sich bringt, zu offenbaren. Es gibt aber eine Möglichkeit, diese Idee in ein erfolgreiches Produkt zu verwandeln. Dafür bedarf es laut Sandra Kainz vom Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh „einer strukturierten Arbeitsweise. Ansonsten riskiert man, dass eine gute Idee auf der Strecke bleibt.“ 

Eine Plattform, die Unternehmen und Innovation zusammenführt

Um das zu vermeiden, arbeitet man seit zwei Jahren im NOI Techpark am Projekt „Labs.4.Smes“. Sechs Partner haben sich der Sache verschrieben: Ecipa, die Weiterbildungs- und Dienstleistungsagentur der SHV Bozen, Venetien und Friaul, der lvh Südtirol, die Fachhochschule Kufstein, der Confartigianato Trieste, Salzburg Research und das FabLab Castelfranco Veneto. Realisiert wurde das Projekt dank der finanziellen Unterstützung von rund einer Million Euro des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Kooperationsprogramms Interreg V-A Italia-Österreich 2014-2020. Am Donnerstag, 27. Juli, wurde das Projekt im NOI Techpark mit der Vorführung der Pilotprojekte – die durch eine strukturierte Zusammenarbeit der KMU und der Makerspaces im Triveneto, Salzburg und Tirol entstanden sind – nun erfolgreich abgeschlossen. Ein Beispiel ist die Plattform ExploreInnoSpaces. Simona Aceto, Koordinatorin des Projektes der Ecipa, erklärt: „Es ist ein (in erster Linie virtueller, Anm. d. Red.) Treffpunkt für Unternehmen und die Welt der Innovation 4.0, die physisch in den InnoLabs und Makerspaces vorzufinden ist. Aktuell sind 20 Strukturen angemeldet, aber die Plattform ist noch in der Entwicklungsphase.“

Der Ort der Zusammenkunft in Bozen ist Maker Space, die High-Tech-Werkstatt im NOI Techpark. Die Fäden, die die Welt der Forschung mit der der KMU verknüpfen, hält das vierköpfige Team der Abteilung Innovation und Neue Märkte des lvh in der Hand, das sein Büro im Technologiepark hat. „Wir wollen ein erster Knotenpunkt zwischen dem Bereich der Innovation und den 6000 im lvh eingetragenen Unternehmen sein“, erklärt Kainz, „NOI Techpark bietet uns die Möglichkeit, diese beiden Welten zu verbinden, und zwar durch konkrete Kooperationsprojekte. Man muss sich aneinander annähern, um die Bedürfnisse und das Potenzial des jeweils anderen zu verstehen.“ Eine nicht allzu einfache Aufgabe. „Innovation und die Schaffung neuer Produkte ist normalerweise nicht das Kerngeschäft eines KMU. Meistens handelt es sich dabei um Tätigkeiten, die der Freizeit vorbehalten sind und in der täglichen Arbeit keinen Platz finden. So entsteht das Risiko, dass potenziell erfolgreiche Ideen auf der Strecke bleiben.“ 
 

Die Pilotprojekte

Daher ist es wichtig, konkrete Ansätze nicht aus den Augen zu verlieren. Ein gutes Beispiel liefern jene, die im Rahmen von Labs.4.Smes vorgestellt wurden. Kainz erklärt weiter: „Mit diesem Projekt konnten wir beobachten, wie Unternehmen aus anderen Regionen arbeiten. Und es hat dem Thema in Südtirol etwas Aufmerksamkeit verschafft. Jetzt müssen wir das weiter voranbringen. Unser Ziel bleibt es, Unternehmen dazu zu bringen, mit der Welt der Forschung zusammenzuarbeiten. Man muss ihnen zeigen, dass diese Welt nicht außerhalb ihrer Kapazitäten liegt, sondern für jeden zugänglich ist – solange man mit den richtigen Vermittlern zusammenarbeitet.“ - Wie lvh und NOI Techpark. 

Auch ein Südtiroler Familienbetrieb hat am Projekt teilgenommen: Fillarte aus Lajen, Hersteller von Skulpturen für Krippeninstallationen. Das Unternehmen will seinem Angebot einen neuen Schliff verpassen; und zwar mit #Peppermill, einer Pfeffermühle, die im Rahmen von Labs.4.Smes entwickelt wurde. „Wir wollten unsere Nische verlassen, hatten aber nicht den blassesten Schimmer wie“, erzählt Mirko Fill. „Die Zusammenarbeit mit lvh, IDM und Maker Space im NOI Techpark hat uns geholfen, unserer Idee eine Struktur zu verleihen. So erhalten wir am Ende des Projektes ein Produkt, das man auch über zukünftige Verkaufskanäle vertreiben kann.“ Neues dazu gelernt hat Fill dabei auch: „Wir haben verstanden, wie wichtig es ist, einem genauen Plan zu folgen, fristgerecht zu arbeiten und die Workshops im Programm bestmöglich zu nutzen. Man muss kohärent arbeiten, um voranzukommen.“

Das Licht der Welt erblickt hat außerdem eine Kletterwand für Sehbehinderte; in der Wand befinden sich Sensoren, die von Spielraum aus Innsbruck eigens dafür entwickelt wurden. Und ein High-Tech-Treibhaus für einen Bergbauernhof, der sich der Produktion von Bioprodukten verschrieben hat. Der sogenannte „Smart bio geo dome“ wurde von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft entwickelt und ermöglicht die Fernsteuerung und -regulierung von Temperatur, Durchlüftung, Feuchtigkeit und Beleuchtung. „Made in Italy“ ist hingegen das „Smart climate control“ von Tecnoimpianti aus Treviso, ein Kontrollsystem für Komfort, mit dem man Temperatur und Feuchtigkeit in den verschiedenen Bereichen seines Hauses regulieren kann. Die Fotoagentur Mauro aus Triest wartet mit einer einzigartigen Fotokabine auf: Anstatt einfach nur Fotos zu drucken, scannt diese Kabine die Personen und fertigt eine Miniatur über einen Laser-Drucker an. Der Name ist Programm: Me3d. Für sein Projekt „Progetto trasparenze“ hat sich Michele La Rosa der CNC-Fräse bedient. Daraus entstanden ist eine kunstvoll in einen einzigen Holzblock eingearbeitete Lampe, deren warmes Licht durch eine Folie gefiltert wird.  

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