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Technologie, Know-how und nun der Superbonus: Chancen für eine nachhaltige Baukultur in Südtirol
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2020-08-28 2020-08-27 27 August 2020 - Maria Chiara Voci
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Dämmsysteme für Wände und Dächer, der Austausch von herkömmlichen Heizsystemen durch effiziente Anlagen, vor allem durch Wärmepumpen, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden, und die Installation von Photovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden anhand von Lösungen, die in Sachen Innovation einen Mehrwert bieten und sich nachhaltig auf unsere Umwelt und das Bild unserer Städte und Dörfer auswirkt. Diese Baumaßnahmen werden mit dem neuen Superbonus 110 % (eine Konjunkturmaßnahme, die von der Regierung im Rahmen des Decreto Rilancio eingeführt, Ende Juli in ein Gesetz umgewandelt wurde und Mitte Oktober vollständig in Kraft treten wird) gefördert werden. Mit dem Steuerbonus will die Regierung die Sanierung bereits bestehender Gebäude vorantreiben. Gleichzeitig betreffen diese Maßnahmen genau jene Bereiche, in die Eurac Research in den vergangenen Jahren investiert hat: Das in NOI Techpark angesiedelte Forschungszentrum will mit seinen Forschungsprojekten den Weg für eine umfassende Erneuerung der Baubranche ebnen.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen glücklichen Zufall. „Wir beobachten die Entwicklung der Baubranche bereits seit einigen Jahren, um frühzeitig neue Verfahren und Lösungen entwickeln und erproben zu können“, erklärt Wolfram Sparber, Direktor des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research. „Gleichzeitig stellen wir Herstellern, Planern und Unternehmen die für die Entwicklung innovativer Produkte erforderlichen Infrastrukturen zur Verfügung, damit sie ihre Innovationen in einem realistischen Setting testen können. Zu diesem Zweck haben wir auch ein weitläufiges Netzwerk aus einheimischen und internationalen Interessenvertretern, Institutionen und Unternehmen aufgebaut. Unser Ziel ist die Entwicklung von Systemen, die die gesetzlich geforderten Standards übertreffen und Lösungen für scheinbar schwierige oder unlösbare Herausforderungen liefern. Unsere Erfahrung und unser Expertennetzwerk bieten nun einen entscheidenden Vorteil.“

Aus diesem Grund möchte NOI Techpark nach dem Webinar, das am 6. August stattfand und bei dem die vom Superbonus gebotenen Chancen sowie alle Steuererleichterungen zur Förderung von Sanierungen bestehender Gebäude beleuchtet wurden, erneut zu einer engen Zusammenarbeit aufrufen, um die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen als Wendepunkt für die Südtiroler Baubranche zu nutzen. Südtirol ist dank der Kompetenz der KlimaHaus Agentur und des Zertifizierungssystems für Gebäude, das Selbstständige und Unternehmen dazu anspornt, immer hochwertiger zu arbeiten, seit jeher ein Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen.

Betrachtet man die zahlreichen Forschungsgebiete, mit denen sich die Experten von Eurac Research in den eigens dafür eingerichteten Labors auseinandersetzen, wird der Aufruf des Forschungszentrums umso verständlicher. Zwei der wichtigsten Forschungsgebiete von Eurac Research sind die energetische Sanierung von Gebäuden (mit einer eigenen Forschungsgruppe für historische Gebäude) und die Entwicklung von innovativen Fassadensystemen. Das Multifunctional Facade Lab befasst sich beispielsweise mit der experimentellen Überprüfung von Projekten und ermöglicht eine möglichst genaue Vorhersage der energetischen Leistung eines Gebäudes, sobald es fertiggestellt ist. Es bietet somit vor allem Bauherren einen Vorteil, die im Voraus abwägen müssen, ob bestimmte Baumaßnahmen für die vom Superbonus vorausgesetzte Verbesserung der Energieeffizienzklasse um mindestens zwei Stufen ausreichen. Die Messungen werden in einem Kalorimeter (einer doppelten Klimakammer mit Schutzzone) in Kombination mit einem Sonnensimulator mit kontinuierlichem Licht durchgeführt: Mit diesen Technologien können die Forscher verschiedene Temperaturen, Feuchtigkeitsgrade, Sonnenverhältnisse und Luftgeschwindigkeiten erzeugen und reale Bedingungen simulieren, um das Verhalten getesteter Produkte zu untersuchen. Ein umfangreiches System von Sensoren erlaubt es, verschiedenste Parameter wie den Wärmedurchgangskoeffizienten und die aktive und passive Wärmekapazität zu berechnen. Das Kalorimeter ist außerdem mit einem Sonnensimulator mit kontinuierlichem Licht und einem Wasserkreislauf ausgestattet, mit denen der Wärmefluss von Lösungen untersucht werden kann, in denen Photovoltaik-Paneele, Sonnenkollektoren oder Flächenheizelemente eingebaut sind.

Auch das Labor für Wärmepumpensysteme von Eurac Research ist hochmodern ausgestattet: Es verfügt über eine große Klimakammer (10 x 6 x 6 Meter), in der Geräte mit einer thermischen Nennleistung von bis zu 400 kW getestet werden können und die verschiedene Klimaszenarien mit Temperaturen zwischen -20 und +50 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 10 bis 95 % simulieren kann. In dieser Klimakammer können dynamische Testreihen (mit einer Mindestlaufzeit von sechs aufeinanderfolgenden Tagen) durchgeführt werden, anhand derer der Stromverbrauch, der Wärmefluss des Verdampfers und des Kondensators sowie der Geräuschpegel von Wärmepumpen berechnet werden können. Gerade der Geräuschpegel ist für die Reduzierung der Lärmbelastung in Gebäuden wichtig; ein Faktor, der für die Endverbraucher gegenwärtig noch zweitrangig ist, für einen optimalen Wohnkomfort ist er jedoch essentiell. „Technologie, Know-how und Networking: Dies sind drei entscheidende Vorteile, die NOI Techpark unserem Land bietet. Unter diesen Voraussetzungen können wir die Konjunkturmaßnahmen als einzigartige Gelegenheit wahrnehmen und sie als Hebel für die umfassende Sanierung und Aufwertung bestehender Gebäude nutzen“, erläutert Sparber abschließend.

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