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Technologie als Lebensretter: So sollen Drohnen die Bergrettung revolutionieren
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2019-10-25 2019-10-17 17 Oktober 2019 - Domenico Nunziata
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Feldtest der Drohnen für den Zivilschutz im Eggental. Unternehmen und Bergrettung sondieren neue Lösungen.

Die Bergrettung ist auf neue Technologien angewiesen. Um in diesem Bereich Möglichkeiten zu sondieren und deren Mehrwert festzustellen, haben sich am Freitag, 11. Oktober mehrere Mitglieder der Bergrettungsdienste aus Südtirol, der Provinz Belluno und Österreich im Eggental getroffen. Dabei ging es vorwiegend darum, Drohnen – aber auch andere Technologien wie Videokameras und Infrarot-Sensoren – zu testen, um diese in Zukunft in der Bergrettung einzusetzen.

NOI Techpark lud zu früher Stunde –um 6:30 Uhr – die Bergrettungsdienste und mehrere lokale Unternehmen ins Eggental, um technologisches Know-how mit praktischer Erfahrung an einem Ort zusammenzuführen und somit einen konstruktiven Austausch der beiden Realitäten zu ermöglichen. Besonderes Interesse galt dabei den Drohnen, die den ganzen Vormittag lang getestet werden konnten. Die Experten der Bergrettungsdienste konnten sich so ein Bild über mögliche Einsatzbereiche machen und im Austausch mit den Vertretern der Privatwirtschaft über eventuelle Verbesserungen und Änderungen diskutieren. Immerhin könnten sich diese Geräte als revolutionär für die Bergrettung auf europäischer Ebene erweisen. Um das herauszufinden, wurde das Projekt START (Smart Test of Alpine Rescue Technology) des Kooperationsprogramms Interreg Italia - Österreich ins Leben gerufen, unter dessen Banner das Event stattfand.

„Dieses Event hob sich dahingehend von den vorigen Zusammenkünften ab, dass dieRettungskräfte die Möglichkeit hatten, den Unternehmen genau zu erklären, was sie in der Geländesuche brauchen: Welche Geräte sollen eingesetzt werden? Wann sollen sie eingesetzt werden? Die Unternehmen ihrerseits präsentierten dann die passende Technologie und zeigten die Unterschiede zwischen den verschiedenen Produkten auf.“, erklärt Sebastian Mayrgündter, Experte des Technologiefelds Alpine im NOI Techpark.

Fliegen bei jedem Wetter

Doch waren nicht nur Bergretter und Unternehmen an diesem Tag anwesend; auch Forscher der Universität Klagenfurt (Kärnten) und von EURAC Research begutachteten das Geschehen. Die Fusion aus Wissenschaft, technischer Entwicklung und Praxis ist ein wesentlicher Aspekt dessen, was unterm Strich dabei herauskommen soll: nämlich das nötige Know-how, um Technologie zu erschaffen, die Menschenleben rettet. Während der Veranstaltung haben die Forscher eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche Eigenschaften die Drohnen haben sollten und wie sie in der Bergrettung eingesetzt werden könnten. „Diese Umfrage hat ein paar interessante Aspekte hervorgebracht, die einen Einblick in den Bereich der Bergrettung und auch in den Referenzmarkt ermöglichen. Wichtig ist in erster Linie, dass die Drohnen unabhängig von Situation und Wetterlage stets einsetzbar sind. Der Preis spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da ein Menschenleben nicht mit Geld aufgewogen werden kann“, führt Mayrgündter weiter aus.

Doch der Technologietransfer erweist sich hierbei als eine nicht zu unterschätzende Hürde. Es ist sehr schwierig, eine solche Neuerung in ein an sich schon komplexes System zu integrieren; Drohnen in der Bergrettung würden einer Revolution gleichkommen, Denk- und Handlungsmuster müssten umgestellt werden – das passiert nicht von heute auf morgen. So sieht es auch Mayrgündter: „Auf europäischer Ebene ist dieser Ansatz in der Bergrettung revolutionär; da kommt mir als erstes der Begriff disruptive technology in den Sinn. Ohne die Koordination von NOI Techpark wäre diese neue Ausrichtung nicht möglich gewesen.“

„Die Bergrettung hat nicht die Ressourcen, selbst Technologien zu entwickeln, und für Unternehmen ist der Zugang zu diesem Markt nicht leicht. Das ist nicht irgendein Bereich, sondern einer, der seinen eigenen Regeln folgt“, erläutert Mayrgündter weiter. Die Veranstaltung im Eggental war deshalb ein wichtiger Treffpunkt für alle an diesem Innovationsprozess Beteiligten, um gemeinsam an einem Ort der Herausforderung ins Gesicht zu blicken und Zukunftsperspektiven zu schaffen. Eine Gelegenheit überdies, das Netzwerk zwischen Bergrettern, Unternehmen und Forschern zu stärken und die Arbeit des jeweils anderen kennenzulernen, zu verstehen und entsprechend darauf zu reagieren. Auf diese Art und Weise wird ein solides Fundament gelegt, worauf eine zukünftige erfolgreiche und vor allem lebenswichtige Zusammenarbeit aufbauen kann und wird.

FACT SHEET

Das Event wurde im Rahmen des Projektes START (Smart Test of Alpine Rescue Technology) des Kooperationsprogramms Interreg Italia-Österreich von NOI Techpark organisiert. Sieben Partner aus vier Provinzen und Ländern nehmen an diesem Projekt teil, das bis 2020 dauert. Die Ziele des Projektes sind: die institutionelle Zusammenarbeit grenzübergreifend zu stärken und grenzüberschreitende Rettungseinsätze zu koordinieren, gemeinsame Methoden zur Einführung und Entwicklung neuer Technologien und Prozesse zu schaffen, eine Pilot-Region zur Untersuchung von innovativen Technologien anhand von standardisierten Testprotokollen zu etablieren sowie IT-gestützte Anwendungen und Hilfestellungen zu entwickeln, um die Bergrettung weiterzuentwickeln. Teilnehmende Partner sind:

  • NOI AG
  • Südtiroler Berg- und Höhlenrettung CNSAS
  • Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol
  • Azienda ULSS n.1 Dolomiti
  • Universität Klagenfurt
  • Eurac Research
  • Österreichischer Bergrettungsdienst, Landesorganisation Kärnten (Associated Partner)>>. *

 

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