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Open Source: Mehr Wissen für alle
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2020-11-19 2020-11-04 4 November 2020 - Gabriele Crepaz
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Patrick Ohnewein, Leiter der Unit Digital im NOI Techpark, spricht über Geschichte und Ziele der Freien Software und präsentiert SFScon 2020, das internationale Festival, das heuer sein 20-jähriges Jubiläum feiert.

Südtirol gibt sich gerne als Asterix im Gallierdorf, bei Open Source aber laufen wir als Schrittmacher dem globalen Trend voran: Am 13. November 2020 wird im NOI Techpark in Bozen die 20. Ausgabe der South Tyrol Free Software Conference SFScon eröffnet, eine Plattform der Open-Source-Szene, die jeder Softwareentwickler in Europa dick im Kalender markiert. Auch heuer? Gerade heuer. Oder Sie verpassen, wie Huawei die neue Open-Source-Strategie vorstellt, mit der der chinesische Gigant mit dem Projekt Open Harmony sich europäischer präsentieren will. Wer weiß, ob Sie Huawei noch einmal so nahekommen, denn: Der Tech-Konzern aus Shenzhen hat nämlich den NOI Techpark als Partner in Sachen Compliance und Governance bei der Implementierung seiner Open-Source-Software ausgewählt.

Andererseits: So besonders ist Huawei gar nicht. Open Source ist längst zum Standard der Informatik geworden. Ob es gut ist, wenn die Monopolisten die einstige Rebellen-Software gekapert haben? Warum Lizenzen sich torpedieren können? Und was Freiheit in der Freien Software heute noch wert ist? Wir haben Patrick Ohnewein interviewt. Der Informatiker leitet die Unit Digital im NOI Techpark. Er kommt selbst aus der Free Software, hat die Linux User Group in Bozen mitbegründet und ist Ideator und Organisator der SFScon von erster Stunde an. Es verwundert also nicht, wenn er sagt: „Open Source ist heute die sicherste Art, erfolgreich zu werden.“ Wie das geht?

Herr Ohnewein, können sich Apple und Microsoft noch an Ihnen freuen oder verwenden Sie nur noch Geräte mit Open-Source-Software?

Ich weiß das gar nicht so genau, es gibt diese Unterscheidung zwischen den Unternehmen nicht mehr. Einer der größten Unterstützer von Open Source heute ist Microsoft. Der frühere CEO Steve Ballmer hat Open Source noch als Krebsgeschwür der Informatik bezeichnet. Aber das Internet hat die Geschäftsmodelle verändert, und damit auch Microsoft. Heute geht es nicht mehr darum, Software zu verkaufen. Das neue Business Model ist die Cloud, d.h. als IT-Unternehmen muss man jedem Zugang auf die eigene Infrastruktur geben. Dahinter steckt der Gedanke von Open Source: Jeder Softwareentwickler kann schauen, was die anderen Entwickler gemacht haben, kann daraus lernen und selber kreativ sein. Alle Giganten, Google, Apple, Microsoft, haben mittlerweile eine Open-Source-Abteilung, in der ein internes Team mit externen Talenten zusammenarbeitet.

Das Open-Source-Modell hat sich durchgesetzt, aber die Monopolisten haben es gekapert?

Könnte man so sagen. Das Wissen in der Informatik wird breiter verteilt, gleichzeitig jedoch wachsen die Monopolisten, weil die gesamte Gesellschaft immer stärker von der technologischen Infrastruktur abhängig ist. Die Digitalisierung betrifft ja nicht mehr nur die Softwareentwickler, sondern ganze Geschäftsbereiche wie den Handel oder Industrie 4.0. Die Monopolisierung bleibt also ein Thema, ebenso wie die Konzentration in den USA. Im Moment läuft das digitale Geschäft überwiegend über US-amerikanische Unternehmen. Jedes Business in Europa zahlt an diese wenigen Firmen, die wir alle kennen, Amazon, Google & Co. Die EU will mit dem Projekt Gaia X eine europäische Cloud schaffen, schauen wir, ob es gelingt.

„Heute geht es nicht mehr darum, Software zu verkaufen. Das neue Business Model ist die Cloud, d.h. als IT-Unternehmen muss man jedem Zugang geben auf die eigene Infrastruktur.“

Sind die Giganten und deren Open-Source-Strategien auch Thema der SFScon im November? Mit Huawei in der Keynote hätte man ein prominentes Beispiel ...

Ein Hauptthema ist sicher, wie Unternehmen Flexibilität, Community und Outsourcing in der Softwareentwicklung in ihre Strategie einbauen. Davide Ricci, der neue Leiter des Open Source Technology Centers (OSTC) von Huawei, eröffnet die SFScon. Er ist Italiener, hat lange in den USA beim Chip-Hersteller Intel im Open-Source-Team gearbeitet und jetzt die Aufgabe übernommen, die neue Open-Source-Strategie von Huawei zu implementieren. Interessant ist, dass Huawei als chinesisches Unternehmen Europa für den Aufbau seines Open-Source-Kompetenzzentrums gewählt hat. Das Center ist Huawei ein wichtiges Anliegen, um sich in unmittelbarer Nähe zum europäischen Markt zu befinden. Das ist ein klares Signal: Europa positioniert sich als neutrale Zone zwischen Asien und den USA. Das könnte für uns Europäer eine Chance sein, im Technologiebereich Boden zu gewinnen.

Heißt neutral in diesem Fall auch transparent, etwa bei der Datensicherung und Datennutzung?

Ja, das spielt sicher eine Rolle. Wir alle beobachten, wie die Dinge sich entwickeln. Wir sind ja Teil der Entwicklung. IoT und Künstliche Intelligenz sind längst mehr als Schlagwörter. Sie sind eng mit den Schlagwörtern Sicherheit, Schutz, Compliance und Governance verbunden. Sie beschäftigen Kommissionen, Stiftungen, Ausschüsse und nicht zuletzt den Endverbraucher. Deshalb ist Open Source wichtig. Weil nur Freie Software uns die Freiheit gibt, Dinge zu überprüfen.

„Huawei ist durchaus bewusst, wie wichtig Europa als Bindeglied zwischen Asien und Amerika ist. Daher die Entscheidung, das Open Source Technology Center hier in Europa zu gründen.“

Open Source ermöglicht also eine bessere Kontrolle, weil voneinander unabhängige Experten ihre Schlüsse ziehen?

Genau. Durch Open Source bekomme ich erst die Freiheit und das Recht, zu überprüfen. Es heißt nicht, dass alles überprüft ist, was Open Source ist, aber zumindest erhalte ich als Nutzer vier verbriefte Freiheiten: Ich kann die Software benutzen, verstehen, verbessern und sogar an Dritte weitergeben. Gibt mir eine Software diese vier Freiheiten, dann ist es Freie Software, auch Open Source genannt. Und diese Freiheiten sind in der Software-Lizenz kodifiziert. Manchmal spricht man von lizenzfreier Software, das ist falsch. Auch Freie Software hat Lizenzen. Die Lizenz, also der Vertrag zwischen Hersteller und Benutzer, ist sogar das Wichtigste. Sie ist die Voraussetzung, dass ein Experte überprüfen kann, ob eine Software tut, was sie sagt. Und genau auf dieses Argument setzt Huawei, wenn es sagt: Wir machen nichts, was man nicht machen sollte, wir zeigen euch unseren Bauplan.

Ihre Unit begleitet Huawei dabei, seine Open-Source-Strategie umzusetzen. Wie sieht diese Kooperation aus?

Wir haben eine starke Free-Software-Kompetenz in Südtirol. Und auch unsere Unit ist auf Freie Software spezialisiert. Es gibt hier Unternehmen, die dieses Wissen jahrzehntelang aufgebaut haben. Nur so konnte auch die SFScon vor 19 Jahren in Bozen starten. Im NOI Techpark selbst geben wir Softwareentwicklern über das Free Software Lab Zugang zum Wissen von lokalen und europäischen IT-Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Und genauso nutzt Huawei nun unser Netzwerk.

Worüber wird Davide Ricci von Huawei auf der SFScon sprechen?

Er wird darüber sprechen, wie wir Lizenzen in der freien Software kompatibel machen. Es gibt mittlerweile sehr viele unterschiedliche Open-Source-Lizenzen. Ein Unternehmen, das eine Open-Source-Strategie einführt, braucht deshalb eine sogenannte Governance-Policy. Das kann man sich vorstellen wie die Vorbereitung zu einem Gala-Dinner. Jeder Entwickler ist wie ein Koch, der ein Rezept zur Verfügung stellt. In der Küche habe ich bereits 20 Köche, das sind die internen Entwickler. Bestimmte Rezepte hingegen übernehme ich von externen Köchen. Sie kennen das Problem: Viele Köche verderben den Brei. Ich muss also im Projektmanagement sicherstellen, dass alle Köche, in unserem Fall die Programmierer, nur jene Rezepte und Zutaten einbringen, die zum Menü passen. Es könnte auch sein, dass einige Gäste unter einer Allergie leiden. Dann darf ich eine bestimmte Zutat, bei uns die Software einer bestimmten Lizenz, nicht verwenden, weil sie eine andere Software inkompatibel machen würde. Und schließlich werde ich versuchen, so viele Abläufe wie möglich zu automatisieren. Menschen sind kreativ, aber ab und zu machen sie Fehler. Eine Maschine trifft nicht aus heiterem Himmel die Entscheidung, etwas anders zu machen. 

„Eine Open Source Lizenz ist die Voraussetzung, dass ein Experte überprüfen kann, ob eine Software nur das tut, was sie verspricht. Und genau diese transparente, klare und vielfältige Technologie setzt Huawei.“

Ich fasse kurz zusammen: Es geht in der SFScon um die Monopolisten, das Matching von Lizenzen, Open-Source-Strategien. Was ist mit dem Thema Datensicherheit?

Wir haben insgesamt acht Tracks, also Themenschwerpunkte, davon allein zwei zum Thema Daten. In „Legal“ werden v.a. Rechtsanwälte sprechen und diskutieren. Es gibt aber auch die positive Seite: In „Data Analytics“ geht es vor allem darum, wie wir Daten auswerten. Und hier kann Open Source wirklich Gutes bewirken, z. B. sagen uns Daten, wie viele Emissionen es auf der Brenner-Autobahn gibt, und diese Daten sind die Grundlage für Lösungen zur Emissionsreduktion. Das große Thema innerhalb des Tracks „Legal“ jedoch bleibt „Cyber Security“. Hier werden wir z. B. diskutieren, welche Angriffsflächen die Two-Factor-Authentication im Online-Banking bietet. Auch wenn uns klar sein muss, dass es die absolute Sicherheit nicht gibt.

Unsere Gesellschaft setzt hohe Erwartungen in die Digitalisierung. Wir erhoffen von ihr sogar die Lösung der größten Probleme unserer Zeit: Corona-Pandemie und Klimakrise. Gibt es Beweise, dass Open Source schnell und effektiv helfen kann?

Ja, die gibt es. Bleiben wir bei Corona. Wir erinnern uns alle, dass im Frühjahr in den Krankenhäusern ein akuter Maskennotstand herrschte. Im Internet wurden daraufhin sehr schnell Projekte vorgestellt, in denen es darum ging, mit Atemventilen ausgestattete Masken zu entwickeln. Auch im Maker Space des NOI Techpark haben Forscher, Unternehmer und Designer solche Masken produziert. Faszinierend war, wie selbstverständlich die Baupläne für diese Masken im Netz offengelegt wurden. Der Gedanke, sein Rezept freizugeben, ist damals über die Softwareentwicklung hinausgegangen und hat die Hardwareentwicklung erreicht. Das ist relativ neu. Und damit werden wir uns auch auf der SFScon beschäftigen, in einem eigenen Track: „Open Source Hardware“.

Ohne Internet wäre eine solche Entwicklung nie möglich gewesen. Früher hat jeder für sich gearbeitet und Wissen gesammelt, und damit kommt man bis zu einem bestimmten Punkt, dann ist Schluss. Heute können wir mit der gesamten Welt zusammenarbeiten. Mit Null Aufwand. Das Einzige, was wir brauchen, sind offene Modelle. Unsere Art zu arbeiten hat sich verändert. Alles geht schneller, alles ist iterativ. Und: Wir testen viel mehr. Sobald der erste Prototyp steht, wird mit dem Kunden gemeinsam überprüft, ob die Richtung stimmt. Niemand kann sich leisten, Zeit zu verlieren. Eklatant zeigt sich das in der Autoindustrie. Der Audi A4 hatte noch eine Entwicklungszeit von mehreren Jahren. Tesla hingegen lanciert ein neues Modell 3 und monatlich kommen neue Versionen auf den Markt, mit einem Software-Update über Nacht.

„Heute können wir mit der gesamten Welt zusammenarbeiten. Mit Null Aufwand. Das Einzige, was wir brauchen, sind offene Modelle.“

Innovation bedeutet heute also Investition in Open-Source-Technologie. Schnelle Reaktion am Markt. Und gute Partner. Wie helfen Sie im NOI den Südtiroler Softwareentwicklern, am Ball zu bleiben?

Wie gesagt, unsere Kernaufgabe ist der Tech Transfer von IT-Wissen aus Unternehmen und Forschung, v. a. von Eurac, Universität Bozen, Fraunhofer Institut, aber auch über Südtirol hinaus. Wenn ein Unternehmer oder eine Unternehmerin dann ein innovatives digitales Produkt entwickeln will, stellen wir Labore zur Verfügung, in denen man Software testen, Prototypen bauen und Daten analysieren kann: sprich das Free Software Lab, das Sensor System Technology Lab, die Smart Data Factory der Uni Bozen und natürlich den Maker Space. Und wenn man Daten nutzen oder auch teilen will, gibt es den Open Data Hub, der umso attraktiver für Kunden und Provider ist, je mehr Daten als Open Data abrufbar sind. Im Moment sind das vor allem Daten aus Tourismus und Mobilität.

Ist Open-Source-Software für jedes Unternehmen geeignet? Tun sich große Unternehmen leichter als kleine? Oder ist es umgekehrt?

Fairerweise muss ich sagen, dass die Software-Hersteller entschieden haben, Open Source zum Standard in der Informatik zu machen. Das waren nicht die Unternehmen, die Open Source nutzen. Sie haben also keine Wahl in Zukunft. Tatsächlich haben sich bis vor kurzem große Unternehmen mit der Entwicklung schwerer getan. Oft haben sie riesige Softwarepakete angekauft und müssen diese nun über die Jahre abschreiben, damit sich die Investition gelohnt hat. Kleine Unternehmen können schneller auf die neuen Trends umsteigen. Da taucht dann manchmal das Problem auf, dass man viele kleine Module hat, die austauschbar sind, aber dafür aufwändig zu verwalten. Es gibt eben diese zwei Welten, aber der Trend geht eindeutig in Richtung dynamische Software mit Microservices, die man genauso einfach abonnieren wie abbestellen kann.

„Heute ist jedes innovative Unternehmen ein IT-Unternehmen, und selbst wer kein Informatiker ist, beschäftigt sich mit Data Science und eignet sich Grundkenntnisse im Programmieren an.“

Open Source ist in den 1980er Jahren in der Hackerszene geboren. Bill Gates sprach damals von den „Hobbyisten“. Wer sind heute die Entwickler? Wer schreibt diese Programme?

Bill Gates war schlecht auf die „Hobbyisten“ zu sprechen, weil er sagte, Programmierer müssen von ihrer Arbeit leben können. Damals gab es kein Internet, die Situation war für IT-Unternehmen also komplett anders. Und Softwareentwickler waren damals tatsächlich introvertierte Leute, die lieber mit Maschinen sprachen als mit Menschen. Der Gedanke der freien Software entstand in der Forscherwelt. Am MIT kamen Forscher zum Schluss, nur geteiltes Wissen kann sich vermehren. Das war der Start für ein neues, kollektives Verständnis von Softwareentwicklung. Heute ist ein innovatives Unternehmen praktisch immer auch ein IT-Unternehmen, und selbst wer kein Informatiker ist, beschäftigt sich mit Data Science und eignet sich Grundkenntnisse im Programmieren an. Weil Softwareentwicklung heute eine Kompetenz ist, die sehr viele in der Gesellschaft brauchen und nutzen.

Sie selbst kommen aus der Open-Source-Bewegung, haben die Linux User Group Bozen mitgegründet, sind einer der Ideatoren der SFScon. Man könnte Sie einen Rebellen nennen. Freiheit war immer ein Wert der Free-Software-Szene. Und heute?

Wenn ich zurückdenke an die 1990er Jahre, dann war das wirklich wie Rebellion. Unser Feindbild waren die großen Unternehmen, allen voran Microsoft. Microsoft hatte damals noch gesagt, Open Source kann nicht funktionieren. Wir standen vor einer Wand, als junge kreative Software-Entwickler bekamen wir keinen Zugang zu den Bauplänen der großen Softwarefirmen. Wir waren ausgebremst. Wie jeder andere konnten wir nur beim Supportcenter anrufen, einen Fehler melden und warten. Anfang der 1990er Jahre tat sich dann plötzlich eine Lücke für uns auf. Internet wurde langsam populär, und mit Linux verbreitete sich dort rasch ein Projekt, wo wir alle lernen konnten. Wir konnten das Rezept des Sternekochs ansehen, verstehen, sogar verändern und damit Teil des großen Ganzen werden. Heute sagt Microsoft, Open Source ist die Zukunft. Auch die Community hat sich verändert. Ich würde sagen: Heute wollen alle gemeinsam die Digitalisierung weiterbringen.

„Heute müssen wir über Ethik in der Informatik sprechen. Es geht nicht mehr darum, dass einer ein Spiel kauft und der Nächste es kopiert. Die Fragen sind andere geworden. Wie viel Entscheidungsgewalt überlassen wir Maschinen?“

Richard Stallman, in den 1980er Jahren Forscher am MIT und Begründer der Free Software, hatte eine Mission: Er wollte die Welt besser machen. Was ist von dieser Mission übrig?

Richard Stallman ist ein Visionär und in der Community sehr umstritten. Aber er hat sehr früh verstanden, wie wichtig die Informatik für die Gesellschaft ist. Schon 1983 warnte er: Vorsicht, wir können nicht arbeiten, wenn die Software nicht funktioniert. Aber Stallman kämpfte nur mit einem defekten Drucker, den er nicht reparieren konnte, weil Xerox ihm den Quellcode verweigerte. Das empfand er als Freiheitsberaubung. Spätere Open-Source-Entwickler dachten praktischer und wollten einfach die Technologie verbessern. Heute allerdings müssen wir wieder über Ethik in der Informatik sprechen. Es geht nicht mehr darum, dass einer ein Spiel kauft und der Nächste es kopiert. Die Fragen sind andere geworden. Wie funktioniert KI? Sollen Autos autonom fahren oder nicht? Wie viel Entscheidungsgewalt überlassen wir Maschinen? In den USA bestimmt bereits jetzt Software, ob ein Häftling freigeht oder nicht. Da ist es aus meiner Sicht schon wichtig, dass Menschen verstehen, welche Algorithmen den Ton angeben. Technologie berührt hier massiv ethische Themen.

Die SFScon geht in die 20. Runde. Manche Konferenzen erschöpfen sich. Bei Open Source habe ich das Gefühl, das Thema wird weitere 20 Jahre wichtig bleiben ...

Ich glaube, sogar länger. Digitalisierung ist nicht mehr nur eine Frage der Technologie. Digitalisierung entscheidet darüber, wie wir leben werden. Informatik bewegt die Gesellschaft. Alles ist verbunden. Da kann man tatsächlich zum Philosophen werden.

FACT SHEET

SFScon – die Expertenkonferenz der Open-Source-Software

2001 ging die SFScon zum ersten Mal über die Bühne, als kleine Konferenz der Linux User Group Bozen. Man traf sich an der damaligen Gewerbeoberschule „Max Valier“. „Die meisten von uns waren Max-Valier-Abgänger“, erinnert sich Patrick Ohnewein, einer der Ideatoren und Organisatoren der ersten Stunde. Ende der 1990er Jahre hatte sich in Bozen ein Grüppchen von Open-Source-Anhängern zusammengefunden, bestehend aus jungen Informatikern, die vom Studium in Padua zurückkehrten, und einigen pionierhaften Unternehmen. Die Konferenz schien geeignet, um das Prinzip von Free Software und Open Source bekanntzumachen und Softwareentwickler mit Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung in Kontakt zu bringen. Es funktionierte besser als geplant. Heute gilt die SFScon als etablierte europäische Open-Source-Konferenz.

2020 findet die 20. Ausgabe statt. Termin: 13. bis 14. November im NOI Techpark. Die Teilnahme ist kostenlos. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die gesamte Konferenz live online zugänglich gemacht. Alle Infos unter https://www.sfscon.it

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