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„Hier entsteht ein Ökosystem von neuen Biotech-Kompetenzen“
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2021-09-14 2021-09-13 13 September 2021
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Growing Innovation District: Mit dem Institut für Biomedizin von Eurac Research zieht ab Mitte 2022 ein multidisziplinäres und internationales Team in einem boomenden Forschungszweig in den NOI Techpark ein. Laut Institutsleiter Peter P. Pramstaller eine Chance für neue industrielle Partnerschaften und eine stärkere Valorisierung der akademischen Forschungsergebnisse.

Der NOI Techpark wächst – nicht zuletzt durch das neue Institut für Biomedizin. Was wird da wann entstehen?

Peter P. Pramstaller: Wir hoffen, gegen Sommer 2022 unsere Labore und Büros im NOI Techpark beziehen zu können. Nachdem wir ein Institut mit mittlerweile über 80 Leuten und großen Laborflächen sind, sind wir bereits vor längerer Zeit vom Eurac-Sitz in die Bozner Galvanistraße übersiedelt. Nun freuen wir uns schon auf einen Neustart im NOI.

Warum?

Der NOI Techpark bietet nicht nur mehr Raum für das Wachstum und die Entwicklung unseres Institutes. Vor allem geht es uns um das Eintauchen in eine neu entstehende Wissenschafts- und Technologiewelt, die es uns erlaubt, unsere ursprüngliche Mission weiter zu denken. Wir sind in den Nuller-Jahren mit dem klaren Auftrag gestartet, eine international anschlussfähige biomedizinische Forschung in Südtirol zu etablieren – immer mit einem klaren Bekenntnis, damit auch einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Südtiroler Bevölkerung zu erzielen. Mit der Übersiedelung ins NOI bleibt unser Anspruch auf eine exzellente Forschung bestehen. Doch hier haben wir auch die Möglichkeit, diese Forschungsergebnisse noch besser zu valorisieren.  Als Arzt ist mir bewusst, dass Papers in Top-Journals zwar wichtig sind. Doch um Krankheiten tatsächlich besser und nachhaltiger behandeln zu können, müssen diese Erkenntnisse das Labor verlassen. Und dafür ist eine gezielte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft oft unerlässlich.

Und ein Sitz im NOI kann eine solche Entwicklung beschleunigen?

Absolut. Diese Wirkung als Akzelerator und Katalysator hat das NOI bereits heute und wir sind zuversichtlich, dass der Techpark in Zukunft nicht nur als Technologie-, sondern vor allem als Wissenschaftsstandort eine wichtige Rolle spielen wird. Nicht zuletzt im Bereich Life Science. Auch die Covid-Pandemie hat gezeigt, dass das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft ein Erfolgsrezept sind. Ich bin sicher, dass hier eine Art Ökosystem von neuen Kompetenzen im Entstehen ist und dass wir mit unserer biomedizinischen und am Menschen ausgerichteten Forschung einen wichtigen zusätzlichen Bereich hineinbringen werden. Gleichzeitig können wir aber sehr gut mit bereits bestehenden Laboren von Institutionen wie unibz und Laimburg interagieren.

Haben sie ein Beispiel?

Eines von vielen Beispielen könnte eine Plattform wie der Massenspektrograph sein, den sowohl wir als auch die Laimburg haben. Hier könnte man nicht nur eine gemeinsame Nutzung andenken. Vor allem ergänzen sich die jeweiligen Kompetenzen sehr gut. Die Laimburg ist sehr stark im analytischen chemisch-biochemischen Bereich unterwegs, wir im bioinformatisch-statistischen Bereich. Big Data sind neben der Molekularbiologie unser wissenschaftliches Core-Business.

Das Institut für Biomedizin wurde mit der CHRIS-Studie bekannt, einer longitudinalen Bevölkerungsstudie im Vinschgau, in die mehr als 13.000 Menschen einbezogen sind. Letzthin haben Sie auch in der Covid-Forschung für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem mit ihrer Beteiligung an der weltweit umfangreichsten Forschung zu Genetik und Covid-19. Wo liegen die Stärken ihres Institutes?

Generell geht es bei uns darum, uns mit einem sehr holistischen Ansatz der Frage zu widmen, wie sich Gene auf die menschliche Gesundheit oder Krankheit auswirken. Unsere Schwerpunkte liegen dabei in den drei Bereichen Herz-Kreislauf – vor allem Herzrhythmusstörungen wie plötzlicher Herztod –Neurodegenerationen wie Parkinson und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas. Als unsere Stärken würde ich einerseits unser transdisziplinäres und internationales Team sehen. Bei uns arbeiten Wissenschaftler*innen aus 18 Nationen – in so unterschiedlichen Disziplinen wie Epidemiologie, Statistik, Bioinformatik und Bioethik, Molekularbiologie oder Medizin. Eine unserer größten Ressourcen sind aber sicherlich die umfangreichen Gesundheitsdaten, die wir im Rahmen der CHRIS-Studie mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb als unseren lokalen Partner gesammelt haben. Wie wir nun auch bei Covid-19 gesehen haben, sind diese relativ schnell für neue Herausforderungen adaptierbar.  Ohne diese breite Datenbank wäre es uns sicher nicht gelungen, bei diesem renommierten internationalen Konsortium dabei zu sein.

Was konkret bringen all diese Daten?

Durch ein Abgleichen epidemiologisch-klinischer Gesundheitsdaten mit über die Biobank generierten molekularen Daten können wir neue Erkenntnisse über Mechanismen und Signalwege generieren, die entscheidend für die Entstehung von Krankheiten oder die Erhaltung der Gesundheit sind. Daraus wiederum können sich Hinweise für neue Therapie- oder Diagnostikansätze ergeben. Ziel ist auch hier ein holistischer Ansatz - von den Daten über die Genetik und Genomik in die funktionelle Biologie und, wo möglich, zurück in eine angewandte klinische Translation.

Und das immer stärker mit industriellen Partnern. Denken Sie da an mehr an lokale oder internationale Kooperationen?

Wir werden im NOI sicherlich gemeinsam mit anderen Forschungspartnern, aber auch lokalen Unternehmen interessante Kooperationsmöglichkeiten finden, zum Beispiel im Food anMedical Nutrition Bereich. Doch klarerweise muss unsere Ausrichtung auch weit über Südtirol hinausgehen. Gesundheit ist ein Megatrend und Lifesciences und Biotech sind bei der Entwicklung einer zunehmend personalisierten Medizin oder molekularen Präzisionsmedizin ganz wichtige Treiber. Wir setzen aber darauf, dass unsere Arbeit einen Pull-Effekt hat, und aufgrund der Voraussetzungen im NOI und bestimmter Alleinstellungsmerkmale unserer Forschung ein Environment geschaffen werden kann, das auch andere Player anzieht. Und so auch hier in Südtirol etwas stattfinden kann, das es bisher noch nicht gibt.

Photo Credits: Annelie Bortolotti / Eurac

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