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Je grüner, desto besser - Technologie ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit
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2020-02-07 2020-02-07 7 Februar 2020 - Marion Egger
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Folge 3 | Tech for a Better World

Unsere Häuser und Städte werden smart, unsere Welt immer vernetzter und unsere Autos werden in Zukunft von ganz allein fahren. Soviel zu den Visionen, die wir von der CES 2020 mitgenommen haben und über die wir in den ersten beiden Folgen der Reihe zu den Tech-Trends des neuen Jahrzehnts berichtet haben. Jetzt wird’s grün. „Tech for a better world“ heißt die Kategorie, der wir uns in der letzten Folge widmen. Ein Thema, das auf der CES 2020 einen wichtigen Stellenwert hatte und das auch und vor allem bei uns in Südtirol großgeschrieben wird. Warum und wohin der Weg geht? Lest selbst.

Technologie für eine bessere Welt 

Neben den zukunftsweisenden Tech-Trends in den Bereichen smartes Wohnen, intelligente Städte und Automotive spielte auf der CES 2020 in Las Vegas auch das Thema „Tech for a Better World“, also Technologie im Dienste der Gesellschaft und Umwelt, eine tragende Rolle. Das hat mehrere Gründe. Zum einen der rasch voranschreitende Klimawandel und die Notwendigkeit, diesem entgegenzuwirken. Zum anderen das veränderte Konsumverhalten. War es einst wichtig, dass ein Produkt von guter Qualität und optisch ansprechend war, so spielen heute zwei noch viel komplexere Werte in die Kaufentscheidung mit hinein: Ein Produkt muss nachhaltig sein und einen Mehrwert für die Gesellschaft und unsere Umwelt darstellen. Auf der CES haben sowohl etablierte Tech-Riesen als auch junge Start-ups ihre Ideen für grüne Technologien gezeigt. Und wenn wir schon bei Grün sind: Bei John Deere sind die Traktoren zukünftig nicht mehr nur farblich danach ausgerichtet, sondern auch technisch. Der Agritech-Riese zeigte auf der CES 2020 in Las Vegas wie Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft dazu beitragen kann, die Produktion zu steigern. Er präsentierte unter anderem ein intelligentes Sprühsystem, das auf einem Feld Unkraut von Pflanzen unterscheidet. Das bedeutet zum einen Einsparungen von bis zu 90% in Sprühmitteln, zum anderen natürlich auch weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf unseren Tellern. Systeme wie dieses führen zu einer Produktionssteigerung, was angesichts der stetig wachsenden Weltbevölkerung ein drängendes Thema darstellt. Auch hierzulande, wo die Landwirtschaft eine lange, tief verwurzelte Tradition hat, spielt der Einsatz von neuen Technologien zur Verbesserung von Produktivität und für mehr Umweltverträglichkeit eine immer wichtigere Rolle. Einer, der sich genau dieser Herausforderung verschrieben hat, ist Marco Bezzi. Er gründete das Start-up Bluetentacles und arbeitet in unserem Start-up Incubator an einem System, das mithilfe von Sensoren im Feld, Elektronik und einer App dazu beiträgt, den Wasserverbrauch bestehender Bewässerungsanlagen um bis zu 50% zu verringern. Wie? Indem Daten direkt aus dem Feld wie etwa der Feuchtigkeitsgrad des Bodens gemeinsam mit Satellitendaten und Wetterdaten analysiert werden und mithilfe künstlicher Intelligenz eine individuelle Empfehlung zur Präzisionsbewässerung erarbeitet wird.

Roboter als Pflegehilfe

Künstliche Intelligenz und Robotik führen auch im Gesundheitswesen zu verbesserten Services. Auf der CES wurden eine Reihe von „Carebots“, also Servicerobotern im Pflegewesen gezeigt, die alte und pflegebedürftige Menschen überwachen, übers Smartphone Infos, veränderte Gewohnheiten und Notrufe an Verwandte oder das Pflegepersonal schicken und bei der Medizineinnahme helfen. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Die Nachfrage nach solchen Technologien, die die Pflege erleichtern, dementsprechend immer größer. Auch Menschen mit physischen Beeinträchtigungen könnten zukünftig von innovativen Technologien profitieren. Samsung führte auf der Messe seinen tragbaren Roboter GEMS vor. Dieser kommt in Form eines Exoskeletts daher und soll Menschen mit Gehbehinderungen oder in der Reha helfen, sich leichter und schneller fortzubewegen, indem er die Belastung der entsprechenden Muskeln verringert. Während in der Bevölkerung die Skepsis gegenüber Robotern immer noch hoch ist, zeigen gerade solche Prototypen, wie wir sie auf der CES gesehen haben, dass wir von einer Technologie mit unglaublichem Mehrwert für den Menschen sprechen. Keine Roboter, die uns Arbeitsplätze nehmen, sondern nützliche Helfer im Alltag.  

Fleisch aus Pflanzen – keine Mission Impossible

Nicht zuletzt war die weltgrößte Tech-Messe am Rande auch wieder die Bühne für Impossible Foods. Während das US-amerikanische Food-Tech-Start-up im vergangenen Jahr seinen Impossible Burger 2.0 mit rein pflanzlichem Rindfleisch lancierte, überraschte es heuer mit Impossible Pork, einem Ersatz für Schweinefleisch, wiederum aus 100% pflanzlichen Zutaten. Damit will das Start-up eine klimafreundliche und gesunde Alternative zu einer der meistkonsumierten Fleischarten weltweit anbieten. Wir haben das Pflanzenfleisch ausprobiert und können eines feststellen: Genauso wie die Stadt Las Vegas ist es eine Imitation von Altbekanntem (man denke an das „Venetian“ oder das „Paris“, die großen Hotels, die europäische Städte in die nordamerikanische Wüste bringen), aber der Geschmack und die Optik stimmen und Impossible Foods stößt auf einen großen Markt und vor allem auf ein Thema, das zukünftig immer wichtiger werden wird - die Verminderung unseres ökologischen Fußabdrucks.

Wenn wir von mehr Nachhaltigkeit im Lebensmittelbereich sprechen, dann geht es auch darum, Essen länger haltbar zu machen und biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien zu verwenden. Beides Themen, die wir bei uns im NOI Techpark bereits in verschiedenen Forschungsprojekten aufgreifen. Das Zauberwort zur natürlichen Haltbarkeit: Fermentation. Damit beschäftigt sich vor allem die Freie Universität Bozen, deren Forscher im Micro4Food Lab daran arbeiten, mithilfe von kontrollierten Fermentationsprozessen den Nährwert der Lebensmittel anzuheben, und gleichzeitig nicht nahrhafte Bestandteile zu eliminieren. Das verlängert die Haltbarkeit der Produkte, wobei auch deren Eigenschaften konserviert werden. Und, richtig angewandt, können durch Fermentation sogar Lebensmittelabfälle wiederverwertet werden. Aus den Resten der Lebensmittelprodukte entstehen bestenfalls also sogar die Verpackungen derselben. Kreislaufwirtschaft par excellence und der Weg hin zu einem bewussteren Umgang mit unserer Nahrung.

FACT SHEET

CES vom 07.-10. Januar 2020 in Las Vegas hat uns mögliche Zukunftsszenarien, innovative Produktideen und technologische Visionen mit auf den Weg gegeben, den wir hier in Südtirol im NOI Techpark gehen. In unserer Trilogie zu den Tech-Trends der kommenden Dekade haben wir euch über „Smart Living“, „The Turn in Automotive Industry“ und „Tech for a Better World“ berichtet. Noch mehr Themen, Hintergrundinfos und News könnt ihr wöchentlich in unserem Magazine nachlesen. Stay tuned!

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