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Forschungsergebnisse zum Erleben und Anfassen
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2021-11-18 2021-11-18 18 November 2021
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Inspirieren und Visionen aufzeigen, welche neuen Möglichkeiten sich für Betriebe mit digitalen Technologien auftun: das leistet im NOI das Anwendungszentrum ARENA von Fraunhofer Italia. Ein Gespräch mit Direktor und Universitätsprofessor Dominik Matt.

Herr Prof. Matt, wenn man in Südtirol über Digitalisierung spricht, kommt man an Ihnen nicht vorbei – ob als Leiter des Forschungsbereichs "Industrial Engineering & Automation (IEA)" an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen oder als Direktor des Forschungsinstituts Fraunhofer Italia in Bozen. Haben Sie ein konkretes Beispiel, wie hier im NOI die Digitalisierung vorangetrieben wird?

Dominik Matt: Ein interessantes Beispiel ist das Projekt Smart-Pro: In dessen Rahmen bauen wir als Fraunhofer Italia am NOI Techpark einen Demonstrator eines flexiblen Produktionssystems auf. Damit können themenspezifische Anwendungsszenarien zur flexiblen Automation entwickelt werden. Unser Ziel ist es, Unternehmen zu ermöglichen, innovative Forschungsprojekte zur Rekonfiguration von Produktionsmodulen und Künstlicher Intelligenz im Kontext eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Industrie 4.0-Paradigmas zu realisieren.

Das heißt im NOI wird bereits konkret an der sogenannten Dualen Transformation gearbeitet?

Ja, eine solche auf Nachhaltigkeit ausgerichtete digitale Transformation ist das Hauptziel unseres Anwendungszentrums ARENA im NOI Techpark, in dem die angewandte Forschungstätigkeit von Fraunhofer Italia Gestalt annimmt. Hier arbeiten wir an Trendthemen in den Bereichen Produktion und Bauwesen – eben mit dem Fokus, parallel zu Digitalisierung und Innnovation auch die Resilienz sowie nachhaltige Unternehmensstrategien zu fördern. Mit unseren Technologie-Demonstratoren der nächsten Generation für lokale Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft zeigen wir, wie Digitalisierung Arbeitsprozesse unterstützen kann und versuchen dabei, unsere Besucherinnen und Besucher mit unseren aktuellen Forschungsarbeiten zu inspirieren. Daraus entsteht ein konstruktiver Austausch darüber, wie Unternehmen kurz-, mittel- und langfristig von angewandter Forschung profitieren kann und wo es direkte Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis gibt.

Wie wichtig ist eine Struktur wie der NOI Techpark bei diesen Bemühungen?

Das Besonders am NOI ist, dass hier Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten. Insbesondere für eine Einrichtung wie Fraunhofer Italia ist das extrem wichtig. Für uns ist der NOI Techpark ein Ort der erfolgreichen und intensiven Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Verbänden. Kompetenz, Wissen und Ideen kreuzen sich hier auf einer unmittelbaren Art und Südtiroler Unternehmer können unsere Forschungsergebnisse direkt „erleben und anfassen“.

 

Wie sehr wird dabei mit anderen Forschungseinrichtungen und sonstiger Partner im NOI zusammengearbeitet?

Es gibt bereits einen regen Austausch. Es besteht jedoch auch offenes Potenzial, mit anderen Forschungspartnern noch stärker synergetisch an unterschiedlichsten Themen im Bereich der Digitalisierung von Unternehmen wie Smart Manufacturing zu arbeiten. Aktuell läuft ja eine durch die NOI AG initiierte Bewerbung, um sich zusammenzuschließen und gemeinsam als European Digital Innovation Hub zu positionieren.  Das würde sicherlich noch einen zusätzlichen Antrieb geben.

Wo sehen Sie die nächsten großen Herausforderungen im Bereich Digitalisierung?

Die Pandemie hat uns auch im Bereich Industrie 4.0 in vielen Realitäten einen wirklichen Schub gebracht. Und sie hat gezeigt, dass Betriebe dank Digitalisierung tatsächlich resilienter sind. Die Herausforderung, vor der große Unternehmen in Bereichen wie der Lebensmittel- oder der Pharmaindustrie stehen, ist aktuell, der zunehmenden Variantenvielfalt auf der Nachfrageseite gerecht zu werden. Das sind bereits hochautomatisierte Betriebe, die nun gewissermaßen zurückrudern, und auf eine stärkere digitale Vernetzung und Möglichkeiten der Flexibilisierung setzen. Bei typischen Klein- und Mittelbetrieben gibt es dagegen noch generellen Aufholbedarf. Hier sind wir im Bereich der Weiterbildung von Unternehmensteams sehr gut als Smart Mini Factory der unibz unterwegs. Auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Wirtschafsverbänden ist der Informationsstand vieler Unternehmen schon recht gut. Doch oft steht bei dieser Betriebsgröße auch der finanzielle Aufwand dem Investment in solche Technologien im Weg – obwohl es auch die Möglichkeit gibt, die Kosten durch Gemeinschaftsprojekte mit anderen Unternehmen zu senken. Hier müssen wir sicherlich auch noch an der Kultur arbeiten – und auch dafür ist der NOI Techpark das richtige Umfeld.

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