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Forschen bei Mondlicht: Eine lange Nacht zwischen Experimenten und Laboren
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2019-10-04 2019-10-04 4 Oktober 2019 - Silvia Pagliuca
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Die 19. Auflage der europäischen Großveranstaltung hat auch Bozen belebt. NOI Techpark als großes Schaufenster der heimischen Forschung.

Eine sensorische Wand, um die menschliche Wahrnehmung zu testen; ein riesiger Würfel, um unseren CO2-Verbrauch zu veranschaulichen; ein selbst-balancierender Roboter, um auch die schwierigsten Hindernisse zu überwinden: All dies und noch vieles mehr war LUNA, die Lange Nacht der Forschung. Die international gefeierte Veranstaltung hat am Freitag, 27. September Klein und Groß die Türen der heimischen Forschungseinrichtungen geöffnet und Einblicke in ihre faszinierende Tätigkeit geboten. Eine Reise in die Welt der Wissenschaft, die auch im NOI Techpark, dem Südtiroler Innovationsviertel, Halt gemacht hat.  

Zwischen Veränderung und Herausforderung

Alljährlich öffnet die European Researchers’ Night Interessierten die Tore von Forschungszentren, Technologieparks, Innovationsvierteln und Universitäten - dieses Jahr in 371 europäischen Städten (116 davon in Italien). Die Veranstaltung, die von der Europäischen Kommission finanziert wird, hat im Vorjahr europaweit eineinhalb Millionen Menschen angezogen; in Bozen wurden heuer 10.000 Teilnehmer gezählt. Das Motto: „Change & Challenge“, also Veränderung und Herausforderung. Klimawandel, Digital Disruption, die Alterung der Bevölkerung und globale Migrationswellen sind nur einige dieser Veränderungen und Herausforderungen, denen sich Wissenschaftler tagtäglich stellen. Dank LUNA konnten sich nun auch Kinder und Erwachsene auf lockere, unterhaltsame Art und Weise ein Bild davon machen und erkennen, dass jede Veränderung auch neue Wege ebnet.

Die vielen Gesichter der Forschung

In Bozen gab es anlässlich der Langen Nacht insgesamt 13 Stationen mit über 100 verschiedenen Initiativen – 30 davon allein im NOI Techpark. Hier arbeiten die Forscher von 
Eurac Research, der Freien Universität Bozen, Fraunhofer Italia, des Versuchszentrums Laimburg und der KlimaHaus-Agentur an Lösungen und Strategien für die Zukunft. „Unser beruflicher Alltag ist voller Herausforderungen und Überraschungen”, kommentiert Elisa Weiss von NOI Techpark. „Heuer ist es uns gelungen, einige davon den Besuchern der LUNA auf spannende Weise zu veranschaulichen.” 
Einige Beispiele dazu: Um sich mit den neuesten Errungenschaften der Berg- und Höhenmedizin auseinanderzusetzen, mussten die Besucher in schwere Schneeanzüge schlüpfen. Im terraXcube, dem Extremklimasimulator von Eurac Reserach, hatten die Forscher das „Expedition Base Camp” nachgebaut. In diesem Zelt konnten die Teilnehmer bei eisigen Winden und Temperaturen bis zu -10° C eine Rettungsaktion unter extremen Bedingungen erleben. Gleichzeitig galt es aber auch zu erfahren, was mit unserem Körper bei Unterkühlung und Sauerstoffmangel passiert. „Ein einzigartiges Experiment”, sagt Monika Brodmann, Expertin für Alpine Notfallmedizin bei Eurac Research. „In nur 15 Minuten hatten Laien die Möglichkeit, in die Rolle von Notfallmedizinern zu schlüpfen und so zu verstehen, wie Forscher unter so komplexen Bedingungen arbeiten können.”
Weniger extrem, jedoch ebenso spektakulär war die Initiative der KlimaHaus-Agentur. Im Außenbereich wurde ein großer, grauer Würfel aufgestellt, dessen Volumen einer Tonne Kohlendioxid entsprach. „Jeder Südtiroler stößt pro Jahr durchschnittlich 7 Tonnen CO2 aus”, erklärt KlimaHaus-Direktor Ulrich Santa. „Das ist eine enorme Menge, die dem Volumen eines Einfamilienhauses entspricht. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Bürger konkret auf die Auswirkungen unseres Konsums aufmerksam zu machen. Außerdem haben wir den ökologischen Fußabdruck jedes Bürgers berechnet und nützliche Tipps zur Abfallreduzierung gegeben.”
Ebenso interessant waren die Roboter, die von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technologie von unibz und von Fraunhofer Italia vorgestellt wurden. Das Thema ist brandaktuell und weckt dabei gleichermaßen Neugierde und Skepsis. „Wir sollten uns nicht vor neuen Technologien fürchten“, warnt Renato Vidoni, Professor für Wissenschaften und Technologien an der Universität Bozen. „Denn sie helfen uns, in vielen Bereichen neue und alte Herausforderungen zu meistern.“ Ein Beispiel dazu liefern die Land- und Forstwirtschaft sowie der Bevölkerungsschutz. So wurde von der Bozner Alma Mater bei der Langen Nacht der Forschung ein selbst-balancierender Roboter vorgestellt. Dank spezieller Stabilisierungssysteme kommt er auch auf steilstem Gelände sicher voran.  „Durch interdisziplinäre Forschung wurde hier an der Schnittstelle zwischen Mechatronik, Robotik und Automatisierung eine für den Menschen sehr nützliche Technologie entwickelt“, so Renato Vidoni. Dass die Robotik die menschliche Arbeit wesentlich erleichtern kann, hat im Rahmen von LUNA auch Fraunhofer Italia bewiesen. Die zur Schau gestellten Roboter der jüngsten Generation kommen in Industriebetrieben ebenso wie auf Baustellen zum Einsatz, um Waren zu ordnen und zu sortieren oder schwere Lasten zu transportieren.
Einblick in die neuen Produktionsprozesse bot hingegen Maker Space.  In den kreativen Werkstätten wurden die Möglichkeiten des modernen Prototyping vorgestellt. Mit hochtechnischen Geräten wie dem 3D-Drucker wurde hier ein Raketenwerfer gebaut, mit dem die Besucher anschließend ihre selbst gebauten Flugobjekte auf eine Zielscheibe schießen und damit deren Flugfähigkeit testen konnten. Kleine Feinschmecker trafen sich stattdessen im Kitchen Lab, der experimentellen Küche, um Gummibonbons aus Rote Beete, Karotte und Apfel herzustellen.
Und um herauszufinden, wie ausgeprägt unsere Sinne sind, gab es heuer auch eine sensorische Wand. Hier galt es, versteckte Lebensmittel mit jeweils nur einem Sinn zu erkennen. Weil die Wissenschaft wirklich alle Sinne in Anspruch nimmt – erst recht, wenn man während der Langen Nacht der Forschung, bei Mondschein experimentiert. LUNA lässt grüßen.
 

In Zusammenarbeit mit Rosalba Cataneo

FACT SHEET

Bozen hat am Freitag, 27. September die European Researchers‘ Night 2019 gefeiert. Im NOI Techpark fanden über 30 Initiativen statt. Interessierte hatten dabei die Möglichkeit, die Labore zu besichtigen und sich mit den Forschern auszutauschen. Es wurden Experimente und Tests durchgeführt, um wirksame Lösungen und Strategien für die Herausforderungen des Alltags zu entwickeln.
An der Veranstaltung, die bereits zum sechsten Mal stattfand, haben neben 500 Forschern auch 10.000 Besucher teilgenommen. An insgesamt 110 interaktiven Stationen konnten sich Jung und Alt mit dem Thema „Change & Challenge” befassen. Die Veranstaltung wurde von den NOI-Techpark-Partnern Eurac Research und unibz mitgetragen. Ebenso am Projekt beteiligt waren die Agentur für Bevölkerungsschutz, Alperia, das Altenzentrum in der Vintler-Straße, ECO-Research, die Agentur KlimaHaus, lvh.apa, Microgate, das Südtiroler Naturkundemuseum, H2 Südtirol, das Versuchszentrum Laimburg, Fraunhofer Italia, das Südtiroler Archäologiemuseum und die Stadt Bozen.
 

 

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