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Die Zukunft des Arbeitsmarktes und die Risiken des “Arbeitskapitalismus’”
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2020-01-28 2020-01-28 28 Januar 2020 - Domenico Nunziata
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Fraunhofer Italia feiert sein zehnjähriges Jubiläum mit einem Event zum Wandel in der Baubranche und möglichen Szenarien der Society 5.0.

Welchen Szenarien werden die Innovation und unsere nahe Zukunft folgen? Und wie wird die Öffentlichkeit damit umgehen? Ist sie dazu bereit, in einer Society 5.0 zu leben, einer Gesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, digitale Technologien zu verbreiten und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen? Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es zweier Eigenschaften: eines tiefgründigen Know-hows über Disruptive Technologies wie Big Data, IoT, künstliche Intelligenz – Themenfelder, die im NOI Techpark eine zentrale Rolle in Forschung und Entwicklung einnehmen – und der Fähigkeit, Prozesse sozialer Evolution handzuhaben, indem man Risiken und Chancen miteinander abwägt.  

Ein nicht einfaches Unterfangen, dem sich Fraunhofer Italia widmen will. Das Institut feiert heuer sein zehnjähriges Jubiläum in Italien. Die Einrichtung ist eine Tochter der Fraunhofer-Gesellschaft, der größten Organisation für angewandte Forschung in Europa. Seit jeher arbeitet man eng mit der Industrie zusammen, um Forschungsaktivitäten zu fördern, die unserer Gesellschaft zugutekommen. Das Institut sitzt im NOI Techpark und pflegt auch mit dem Südtiroler Innovationsviertel eine Partnerschaft. Das Augenmerk hat man besonders auf KMU gelegt. Diese sollen mit Dienstleistungen im Bereich der angewandten Forschung dabei unterstützt werden, mit den neuen Entwicklungen unserer Zeit Schritt zu halten. Die Services sind zielgerichtet und beziehen sich besonders auf die Felder Automation and Mechatronics Engineering, Process Engineering in Construction und Business Model Engineering.

„Neben der Industry 4.0 gibt es noch viele andere Herausforderungen, die angegangen werden müssen. Besonders Klein- und Mittelunternehmen muss dabei geholfen werden, damit technologische Neuerungen effizient genutzt werden“, erklärt Riccardo Brozzi, Experte im Bereich Digitaler Transfer und Business Model Engineering bei Fraunhofer Italia, während der Zehnjahresfeier. Dabei solle man auch differenzieren: „Die Businessmodelle müssen nicht nur aus technologischer Sicht auf Vordermann gebracht werden. Wir müssen gesellschaftliche und umwelttechnische Parameter miteinbeziehen. Kurz gesagt: Die Modelle müssen nachhaltig sein.“

Ein Bereich, der in den nächsten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchmachen wird, ist das Bauwesen, zumal dieses kaum wie ein anderer Einfluss auf unsere Umwelt nimmt. Wie am Fließband kommen neue technologische Lösungen hervor, die die Branche revolutionieren sollen und werden. In Südtirol hat man sich damit schon angefreundet, so zum Beispiel die Firma Erdbau, die mittlerweile GPS auf den Baggern installiert hat und mit 3D-Visualisierungen sowie modernsten topografischen Systemen arbeitet. Dank der ganzen neuen Technik schafft es Erdbau so auch, qualifiziertes Fachpersonal in die Firma zu holen und zeigt somit auf: Die Entwicklung der Menschen ist wieder in den Mittelpunkt gerückt. Eine große Herausforderung ist die „Baustelle der Zukunft“, die in den Kompetenzbereich von Angelo Ciribini, ordentlicher Professor für Bauingenieurwesen an der Universität Brescia, fällt. In seinem Beitrag zur Zukunft von Bauwerken geht es vor allem um die Anwendung neuer Technologien wie Big Data oder künstliche Intelligenz, aber auch Wearable Devices, die von den Arbeitern getragen werden. Die Baustelle wird somit mit vor Ort generierten Daten digitalisiert. Dieser Prozess kommt sogar schon vor Eröffnung der eigentlichen Baustelle zum Einsatz, also während der digitalen Planung. Somit wird das bisherige Konzept der Arbeitsplanung auf den Kopf gestellt und eine wahre disruption nimmt ihren Lauf.

Wie in jedem anderen Aspekt unseres Lebens werden auch hier Daten eine zentrale Rolle spielen: Wie werden die Daten einer digitalisierten Baustelle analysiert? Werden die Daten von den Verantwortlichen nur dafür verwendet, Einblicke zu ermöglichen oder werden mit den Analysen Vorhersagen getroffen? Ciribini ist nicht ganz frei von Zweifeln: „Diese Praktiken könnten riskant werden. Einige Gelehrte, darunter Shoshana Zuboff, nennen das „Überwachungskapitalismus“: Eine Wirtschaft im Zeichen der Technik, in der Verhaltensdaten von Menschen wie ein Rohstoff gesammelt, analysiert und für Verhaltensvorhersagen verwendet werden. Diese neue Zentrale Rolle, die Daten einnehmen, kommen einem kulturellen Quantensprung gleich; es ist nur noch nicht abzusehen, ob sich das positiv oder negativ auf unser Zusammenleben auswirken wird.“  

Die Society 5.0 wird sich also auch mit dieser Zukunftsvision auseinandersetzen müssen. Und dabei abwägen, welche Risiken und Vorteile technologischer Fortschritt mit sich bringt.

FACT SHEET

Die Forscher von Fraunhofer Italia machen Industrie 4.0 für Unternehmen greif- und nutzbar und richten ihr Forschungsangebot dabei nicht nur an das produzierende Gewerbe, sondern auch an das Bauwesen. Besonders kleine und mittlere regionale Unternehmen werden von der gemeinnützigen Forschungseinrichtung durch praxisnahe Forschungsleistungen in den Bereichen Automation and Mechatronic Engineering, Process Engineering in Construction und Business Model Engineering unterstützt.

 

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