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Den Lockdown mithilfe digitaler Werkzeuge überstehen
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2020-03-31 2020-03-31 31 März 2020 - Alexander Ginestous
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Covid-19 zwingt uns, uns neu zu erfinden: Wir arbeiten aus der Ferne und verwenden Tools, welche die digitale Transformation vorantreiben. Im NOI Techpark findet ihr dafür die nötigen Instrumente und die Kompetenz, erklärt Digital-Experte Patrick Ohnewein.

Die Pandemie Sars-CoV-2 hat unsere Art zu leben und zu arbeiten von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Die Notwendigkeit, unsere täglichen Gewohnheiten umzustellen, bringt viele Unsicherheiten mit sich. Doch in solch kritischen Momenten, in denen unser gesamtes System wegzubrechen scheint, entsteht auch Raum für Neues – ob Chancen, Lebensstile, Ideen oder Werkzeuge. Besonders betroffen von dieser radikalen Veränderung sind in diesen Tagen Unternehmen, die vor der nie da gewesenen Herausforderung stehen, sich komplett neu erfinden zu müssen. Dabei haben sie aber einen wichtigen Verbündeten: digitale Technologien. In Südtirol, wo man in den vergangenen Jahren in einem Netzwerk von – insbesondere kleinen und mittleren – Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und der öffentlichen Hand interessante Erfahrungen im Bereich von Open Source Software und Netzen gemacht hat, ist man bereit, dieses Know-how aus Tools und Best Practices zur Verfügung zu stellen. Die Expertise reicht dabei von Bereichen wie Internet of Things (IoT), über die Verwendung von Beacons bis hin zur Cloud und dem reichen Erfahrungsschatz, der alljährlich Hunderte von Geeks und Entwickler aus ganz Europa zur South Tyrol Free Software Conference nach Bozen pilgern lässt.

“Jeder von uns muss sich in diesen Tagen der Herausforderung des Homeoffice und des Smart Working stellen“, erklärt Patrick Ohnewein, Experte für Digital Technologies im NOI Techpark. „Da aktuell keine Zeit für strategische Planung bleibt, geht es darum, möglichst schnell zu reagieren und so das Überleben des eigenen Unternehmens zu sichern. Und dafür müssen wir den Weg der digitalen Transformation einschlagen.“ Um Unternehmen dabei zu unterstützen, gibt es auf der Webseite des NOI Techpark ab sofort einen neuen Bereich, in dem Experten und Berater ihr Know-how zur Verfügung stellen, um Unternehmen neu aufzustellen, und in dem jede Menge digitale Werkzeuge zur intelligenten Arbeitsorganisation verfügbar sind. 

Herr Ohnewein, die Arbeitswelt steht vor einer gewaltigen Herausforderung…

In der aktuellen Situation geht es darum, dass Unternehmen aktiv bleiben und dafür in einen Smart-Working-Modus umschalten. Dies ist in vielerlei Hinsicht eine „Challenge”, die zwar im Moment erschrecken mag, aber uns auch große Vorteile bringen wird, wenn diese Krise erst einmal überstanden ist. Viele Unternehmen haben bisher keine Erfahrung mit Smart Working. Deshalb bieten wir ihnen nun auf unserer Webseite in einem eigenen Bereich Informationen und Ratschläge zur bestmöglichen Bewältigung dieser Krise an. Dazu gehört auch das Angebot, auf ein Netzwerk aus Experten und Partnern in Südtirol zurückzugreifen, die Unterstützung bei diesem Prozess der digitalen Transformation anbieten. Eigene Pakete und digitale Instrumente ermöglichen es den Unternehmen, die Arbeitsabläufe während dieser Ausnahmesituation neu zu organisieren. Essenziell dabei ist, dass sich die Unternehmer vor Augen halten, dass dabei ein Paradigmenwechsel stattfindet – von Unternehmen, die nie auf Teleworking zurückgegriffen haben, zu solchen, die sich bestens über das Netz organisieren. Allein die Tatsache, wie stark seit Anfang März auf Google Trends die Suchanfragen nach dem Begriff “Smart Working” zugenommen haben, zeigt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen.

Welche neuen Chancen eröffnen sich in dieser Krise?

Ich denke, dass nun in vielen Unternehmen verstanden wird, dass Smart Working eines der wenigen Werkzeuge ist, die es erlauben, immer aktiv zu bleiben. Wenn es gelingt, das eigene Team von verschiedenen Orten in der Welt aus arbeiten zu lassen, eröffnet dies auch neue Möglichkeiten, gleichzeitig unterschiedliche Aktivitäten in verschiedenen Regionen abzuwickeln. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Zahl junger Kreativer, Freelancer und High Skill Workers weiter zunehmen wird, die sich nicht in ein Büro einsperren lassen wollen, sondern von ihrem Arbeitgeber die Freiheit verlangen, ihren Arbeitsplatz selbstbestimmt zu wählen. Telearbeit erlaubt gerade kreativen Arbeiten, sich das Umfeld zu kreieren, in dem neue Ideen am besten entstehen können. Wenn wir das verstehen, können wir aus dem aktuellen Zwang das Beste herausholen.

Auf welche Werkzeuge können Unternehmen konkret zurückgreifen?

Die Pandemie verlagert den gesamten Arbeitsprozess in einen virtuellen Raum, das heißt, wir brauchen dafür die notwendigen Tools – von der Archivierung digitaler Dokumente bis hin zur Möglichkeit, bestimmte Arbeitssoftware zu installieren. Klarerweise braucht es dafür Heimarbeitsplätze mit Computern, wenn möglich mit einer Videokamera für Conference Calls, und alle weiteren Voraussetzungen wie eine stabile Internetverbindung. Viele Unternehmen wissen nicht einmal, dass sie über bestimmte Werkzeuge bereits verfügen. Dann gibt es unsere Partnerunternehmen, die diese Dienstleistungen in Komplettpaketen anbieten. Zum Beispiel das Start-up FlashBeing, das eine App entwickelt hat, über die Arbeitsabläufe, Projekte und das gesamte Unternehmen aus der Ferne verwaltet werden können. Das Unternehmen ByWay bietet eine Plattform für Restaurant, Bars und Cateringanbieter, das die Verwaltung von Lager und Verkauf weitgehend automatisiert. Pakete von ACS, Konverto, Limitis, QBUS und Systems ermöglicht es wiederum, verschiedene Programme wie Chats, Videokonferenzen, Office und Anhänge auf einer Plattform zusammenzuführen. Bei unseren digitalen Services arbeiten wir zudem in Synergie mit dem Südtiroler Ökosystem: Die angebotenen Dienstleistungen ergänzen jene der Handelskammer Bozen und der Wirtschaftsverbände. Es gibt also viele Angebote, und Unternehmen tun gut daran, sie zu nutzen, um möglichst unbeschadet und – zumindest im digitalen Bereich - fitter aus dieser Krise herauszukommen.

Denken Sie also, dass sich die Art zu arbeiten in Zukunft in Richtung Lean Projekt Management orientieren wird?

Ich würde sagen, wir werden gerade einer herausfordernden Prüfung unterzogen und sollten dabei alle unser Bestes geben. Die Veränderung muss jetzt stattfinden. In Zukunft werden Chefinnen und Chefs sowie alle Verantwortlichen flexibler sein und sich auf konkrete Vorgaben konzentrieren müssen: Jedes Teammitglied sollte seine Rolle klar abgesteckt haben und jedes Projekt sollte in genau definierte Unteraufgaben unterteilt werden. Auf diese Weise muss ein Arbeitgeber nicht mehr kontrollieren, ob seine Angestellten auch in Telearbeit ihre Stunden ordnungsgemäß abgearbeitet haben. Es reicht, wenn sie ihre Ziele erreichen. Dafür braucht es aber einen Mentalitätswechsel, der dann auch unsere Zukunft verändern wird.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass man sich in den Unternehmen in dieser Phase großer Unsicherheit verliert?

Ich denke, es gilt nun einfach, sich so rasch wie möglich neu aufzustellen und eine Steuerung des gesamten Arbeitsablaufs aus der Ferne zu ermöglichen. Die Zukunft entsteht dann aus all dem, was sie aus dieser Erfahrung gewinnen. Doch aktuell fehlt schlichtweg die Zeit, um strategische Entscheidungen treffen zu können. Nun gilt es einfach zu reagieren. Das kann auch bedeuten, sogenannte technologische Schulden machen zu müssen, also in Technologien zu investieren, von denen wir heute schon wissen, dass wir sie morgen nicht verwenden werden. Doch heute sind wir darauf angewiesen, deshalb gilt es, diese „Schulden“ aufzunehmen, weil es für das Überleben meines Unternehmens ausschlaggebend sein kann. Sobald die Krise dann überwunden ist, kann ich solche Werkzeuge dann wieder zurückfahren oder anpassen und neu durchstarten.  

Im NOI Techpark kann man auf eine breite Erfahrung bei der Begleitung von unternehmerischen Digitalisierungsprozessen zurückblicken. Welche Kompetenzen konnten dabei gewonnen werden?

Ich würde sagen, wir beschleunigen den Entwicklungsprozess der Projekte, die uns von Unternehmen präsentiert werden. Denn wir begleiten sie auf dem Weg zum Markt und helfen ihnen, zu verstehen, ob ihre Idee durchschlagskräftig genug ist oder ob sie für ihre Umsetzung die Unterstützung von Partnern brauchen. Sicherlich haben wir auch einen breiten Überblick über aktuelle Trends, technologische Notwendigkeiten und das Know-how, das in Südtirol vorhanden ist. Auch deshalb können wir Unternehmen, die erst jetzt ihre ersten Erfahrungen mit Smart Working machen, eine gute Hilfestellung geben.

Sie haben über die Jahre ein Netzwerk aus internationalen Experten aufgebaut, die sich alljährlich auf der Free Software Conference Bozen (SFScon) treffen. Fällt dieses Großevent Covid-19 zum Opfer?

Keinesfalls. Im Gegenteil, wir werden noch stärker durchstarten. Denn die Erfahrungen, die wir nun machen, werden neue Anreize und gemeinsame Anliegen von Forschung und Unternehmen hervorbringen. Die SFScon wird, wie immer, im November im NOI Techpark stattfinden. Mit einer noch stärkeren Community, wie wir hoffen, wenn wir nun verfolgen, wie viel gegenseitige Unterstützung in der aktuellen Situation bereits stattfindet. Dank dieser Konferenz haben wir über die Jahre ein einzigartiges Netzwerk aus Unternehmen und Events im Bereich digitaler Technologien geschaffen. Und die aktuellen Daten belegen, dass Smart Working in Südtirol bereits gelebte Realität ist. Mit unserem Netzwerk können wir in diesem Bereich allen Interessierten eine Reihe von Kompetenzen zur Verfügung stellen.

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