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BrennerLEC – mit Big Data und 5G wird die A22 „smart“
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18 Juni 2019 -
Alexander Ginestous
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Kontrollierte Geschwindigkeit, reduzierte Emissionen und integriertes Verkehrsmanagement. Der Brenner-Korridor experimentiert mit intelligenten Vernetzungen. Und NOI Techpark bietet den Open Data Hub.

Über 35.000 Fahrzeuge rollen täglich über die A22 – eine gewaltige Blechlawine. Doch wäre es überhaupt möglich, diese Autobahn in einen emissionsarmen Korridor zu verwandeln? „Ja“, antworten die Macher des europäischen BrennerLEC-Projekts, die bereits an einer strategischen Entwicklung der Trasse arbeiten. Ihr oberstes Ziel ist eine Reduzierung der Umweltbelastung, wofür eine Reihe von Maßnahmen notwendig sein wird.

BrennerLEC ist ein von der Europäischen Kommission finanziertes Projekt, das von NOI Techpark, von der Brennerautobahn AG, den Umweltagenturen der autonomen Provinzen Trient und Bozen, von der Fakultät für Umweltingenieurwesen der Universität Trient und dem Technologieunternehmen Cisma mit Sitz im NOI Techpark gleichermaßen mitgetragen wird. Mit dem Projekt sollen ein nachhaltiges Gleichgewicht erreicht und die Umweltkriterien erfüllt werden – und zwar nicht nur entlang der Brennerachse. Zur Reduzierung der Schadstoffemissionen will man sich diverser Technologien – etwa der Big Data – bedienen.

Kommunikation zwischen Fahrzeugen und intelligenten Straßen

Ende Mai diesen Jahres sind die Projektteilnehmer im NOI Techpark in Bozen zu einem Workshop zusammengekommen. An dem Treffen teilgenommen haben 70 Experten aus den unterschiedlichsten Sektoren, darunter Umweltexperten, Ökoaktivisten, Autobahnbetreiber, Spediteure, IKT-Forscher aus dem Automotivbereich, Vertreter des Versicherungssektors und öffentliche Verwalter. Ihr „smarter“ Hintergedanke: in Zukunft die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und intelligenten Straßen zu nutzen.

„Mit 5G-Carmen ist der Brennerkorridor die einzige Autobahntrasse in Europa, die auf 5G setzt“, sagt Filippo Visintainer vom Fiat-Forschungszentrum. Zudem experimentiere die Brennerautobahn AG derzeit auch noch mit WLAN. „Für Automobilbauer ist es nicht so bedeutend, für welche Technologie sich die A22 schlussendlich entscheiden wird. Viel wichtiger ist es, Systeme zu entwickeln, die für jede Form der Kommunikation geeignet sind.“

Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Roberto Cavaliere, Mitarbeiter im Technologiefeld Digital des NOI Techpark, die Logik hinter BrennerLEC: „Wir möchten eine experimentelle und wissenschaftliche Studie zu einer Reihe dynamischer Verkehrsmanagement-Maßnahmen entwickeln. Der Gedanke dahinter: Probleme sollen antizipiert werden, um früher eingreifen zu können und so den größtmöglichen Nutzen für Verkehrsteilnehmer und Land zu erreichen.“ Das Projekt habe sich von Anfang an am Territorium orientiert. Es habe das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft und den Konsens wichtiger Stakeholder erhalten. „Derzeit beschränkt sich unsere Arbeit nur auf einen kurzen Abschnitt der Autobahn. Ziel ist es jedoch, diese auf den gesamten Alpenkorridor von Affi bis Kufstein auszuweiten.“

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Maßnahmen, die im Verkehrsmanagement experimentiert werden können: eine Erhöhung der Autobahnkapazität durch die Reduzierung der Fahrzeiten, eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die zur Reduzierung der Emissionen führt, und ein in die Stadtverwaltung integriertes Verkehrskonzept, welches eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Autobahnbetreibern und Städten voraussetzt. 

„Die Geschwindigkeit ist für die Stickoxid-Emissionen leichter Fahrzeuge ausschlaggebend“, erklärt Laura Gasser, die das BrennerLEC-Projekt für die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz verfolgt. „Wird das Tempo von 130 auf 110 km/h gesenkt, führt das zu einer Reduzierung der Emissionen um 30 Prozent. Die von uns durchgeführten Tests zeigen jedoch, dass je nach Wetter- und Verkehrssituation schon 80 Prozent der maximalen Reduzierung erreicht werden können, wenn die Geschwindigkeitsreduzierung auf nur 40 Prozent der Stunden eines Jahres angewendet wird.“

Der Open Data Hub des NOI Techpark

Wichtig für das Projekt ist die Rolle des NOI Techpark, der dem Projekt seinen Open Data Hub zur Erfassung, Verarbeitung und Verteilung von Daten zur Verfügung stellt. Diese Technologie wurde bereits in anderen Bereichen eingesetzt. So etwa bei „Mentor“, einem Projekt, das die öffentliche Mobilität flexibler und nachhaltiger gestalten soll. Wie? Zum Beispiel durch Fahrgemeinschaften oder durch den Einsatz von selbstfahrenden Elektrobussen, wie sie in Kürze in der Gemeinde Meran getestet werden sollen. Was BrennerLEC betrifft, so bietet der Hub, der Daten zu Verkehr, öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätzen und Elektromobilität beinhaltet, eine Reihe von Informationen zu den unterschiedlichsten Variablen. Nur damit lassen sich automatisch Modelle erstellen, die den Technikern der A22 präzise Informationen für das Verkehrsmanagement liefern. Im Gegenzug kann der Hub durch das Einfließen neuer Datensätze weiter wachsen.

„Ziel der Maßnahmen ist es, den Verkehrsfluss zu stabilisieren“, erklärt Ilaria De Biasi von der A22. „Wir suchen nach den besten Lösungen, um die Autobahnkapazität zu erhöhen. Wir brauchen eine angemessene Infrastruktur und genügend Informationsmöglichkeiten für die Verkehrsteilnehmer. Das ist auch der einzige Weg, da wir die Zahl der Fahrspuren nicht erhöhen können. Aus diesem Grund kann uns die von NOI Techpark bereitgestellte Technologie bei der Umsetzung der Neueinführungen tatkräftig unterstützen.“

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