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Aus Altkleidern werden Verpackungen: eine grüne Idee erobert adventureX
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2019-07-04 2019-06-25 25 Juni 2019 - Silvia Pagliuca
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Um ihre Geschäftsidee umzusetzen, hat Giulia De Rossi sogar ihren Vollzeitjob gekündigt. Eine gute Entscheidung. Denn genau mit diesem Projekt hat die angehende Unternehmerin im NOI Techpark den Innovationswettbewerb der Euregio gewonnen.

Weltweit werden im Schnitt pro Kopf und Jahr rund 34 Kilogramm gebrauchte Kleider weggeworfen. 85 Prozent davon landen direkt im Müll. Das ist die dramatische Kehrseite unserer modebewussten Gesellschaft. Was heute in” ist, ist morgen bereits out”. Dafür kann sich die 30-jährige Giulia De Rossi nicht begeistern. Und so hat sie auf den Konsumrausch der Modebranche mit einem ebenso nachhaltigen wie umweltfreundlichen Projekt reagiert: Gemeinsam mit ihrem Partner Stefano Lora rief sie NaZeNa ins Leben, was im Japanischen so viel bedeutet wie „Warum nicht?“.

Giulias Start-up ist eine echte Investition fürs Leben, hat die junge Frau dafür doch ihren Job als Controllerin in einem Unternehmen gekündigt. Eine Risikoentscheidung? Ganz im Gegenteil. Denn mit NaZeNa hat sich Giulia De Rossi an adventureX beteiligt, dem Geschäftsmodellwettbewerb der Euregio. Das Projekt kam im Trentino auf Platz zwei und ging schlussendlich als Sieger aus dem großen Euregio-Finale hervor.

Heuer fand die Abschlussveranstaltung erstmals im NOI Techpark in Bozen statt. Insgesamt neun Teams hatten es ins Finale geschafft. Bewertet wurden sie von einer unabhängigen Expertenjury, die sich aus Susanna Zuccarini, Business Developer und Analyst bei Invitalia, Walter Ischia, Strategic Advisor Finance bei Swarm Analytics und Start-up- sowie Investment-Experte, und Harald Oberrauch, Unternehmer und Angel Investor, zusammensetzte.

Das Glück, mit den Besten zu arbeiten

Dabei war es gerade Harald Oberrauch, der den Mitkonkurrenten wertvolle Tipps für die Zukunft gab. Das Wichtigste, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, ist das Team“, betonte der Unternehmer. „Wir müssen immer mit den Besten zusammenarbeiten. Und die Besten sind nicht unbedingt unsere Freunde oder diejenigen, die Höchstnoten vorweisen können. Es gibt andere Dinge, die wichtig sind. Etwa die bereits gesammelten Erfahrungen in der Arbeitswelt oder die Art und Weise, wie man ans Leben herangeht. So weiß ein Sportler zum Beispiel, was es heißt, sich nicht von einem Hindernis einschüchtern zu lassen und sich täglich auf die Probe zu stellen.“ Denn heute sei vor allem eines grundlegend: Man müsse mit sich selbst 'disruptiv' sein, bevor es die anderen mit uns sind.

Dafür sei es notwendig, so Oberrauch weiter, schnell, ja sogar unberechenbar zu handeln. Man müsse ständig die Perspektive ändern und nicht jede neue Herausforderung meiden. Eine Einsicht, zur der Oberrauch im eigenen Unternehmen gekommen ist. Die Firma Durst, die heute in dritter Generation geführt wird, hat ihr Kerngeschäft immer wieder gewechselt und es geschafft, vor den Konkurrenten auf den Markt zu kommen. „Vielleicht ist es Südtirol, dieses Land, in dem wir geboren wurden, das uns dazu animiert. Innovation steckt in unserer DNA. Und wir haben Spaß dabei“, gab Harald Oberrauch zu. "Liebt es oder lasst es“, „liebt, was ihr tut oder ändert den Kurs“, das haben auch die anderen Juroren ständig wiederholt. Weil man in einem Job nicht sein Bestes geben kann, wenn man nicht daran glaubt.

3 Millionen Euro Umsatz bis 2022

Und aus genau diesem Grund hat Giulia De Rossi auch ihren Vollzeitjob gekündigt, um sich NaZeNa zu widmen: „Ich habe erkannt, dass ich meine gesamte Energie in dieses Projekt stecken musste“, betonte sie während der dreiminütigen Präsentation ihres Geschäftsmodells. Nach Giulias Idee sollen aus gebrauchten Hosen und Jacken, Pullovern und Röcken biologisch abbaubare Verpackungen entstehen. Den ausrangierten Kleidungsstücken könne so neues Leben eingehaucht werden.

Tatsächlich wächst der Markt für biologisch abbaubares Packaging von Jahr zu Jahr, da die Verbraucher zunehmend für dieses Thema sensibilisiert werden. In Italien hat sich der Markt auf die Herstellung biologisch abbaubarer Tüten aus gebrauchtem Kunststoff konzentriert, andere Bereiche müssen noch entwickelt werden. Und hier will NaZeNa ansetzen, um bis 2022 einen Umsatz von mehr als 3 Millionen Euro zu erwirtschaften – und das bei einer Investition von 150.000 Euro, die für den Kauf von Produktionsmaschinen erforderlich ist

adventureX – eine Erfahrung

Ihre ursprüngliche Idee konnte sie, so Giulia De Rossi, im Rahmen des Wettbewerbs ausreifen und weiterentwickeln. Drei Monate lang hatten die Teilnehmer (in der gesamten Euregio waren es 248, aufgeteilt in 105 Teams) die Möglichkeit, sich mit 36 ​​Experten zu konfrontieren. Diese waren es auch, die den Start-uppern in spe den Aufbau eines Geschäftsmodells erklärten. Eine Art Personalausweis” des Unternehmens, der, wenn er präzise erstellt wird, den Zugang zu Investoren und Finanzmitteln erleichtert.

Die Wettbewerber besuchten Workshops zu den Themen Canvas-Geschäftsmodelle, öffentliche und private Finanzierung, Kundenvalidierung und Schutz des geistigen Eigentums – allesamt Schlüsselthemen für die Entwicklung eines effektiven Geschäftsplans. Jedes Projekt wurde anschließend anhand von Parametern wie Machbarkeit und Skalierbarkeit der Idee, Zusammensetzung des Teams, Innovationsgrad, Marktpotenzial, Investitionsmöglichkeit und Geschäftsmodell bewertet. Das Team des Siegerprojekts NaZeNa erhielt zwei Tickets für Bits & Pretzels, das vom 29. September bis 1. Oktober in München stattfindet. Das Festival, das auf Innovatoren zugeschnitten ist, lockt jährlich über 5000 Gründer, Investoren und Entscheidungsträger an.

Die Finalisten

Am Finale nahmen neben NaZeNa auch noch die Teams Igloo und Artaxy für das Trentino, HyFish, Elite Water und Akonous für Tirol sowie Company Mood Barometer, BioLogik-System und John O.S. für Südtirol teil. Mit dem Company Mood Barometer lässt sich die Stimmung in einem Unternehmen messen. Das Projekt, das von Studenten der Freien Universität Bozen ins Leben gerufen wurde, erhielt auf Landesebene den ersten Platz. An zweiter Stelle stand BioLogik-System, ein intelligentes Recyclingsystem für den Agrarbereich. Während es sich bei John O.S. (dritter Platz) um eine Software zur Verbreitung des Internet der Dinge bei Klein-und Mittelbetrieben handelt. Auch diese beiden Projekte wurden von Studenten der unibz initiiert. Die drei Teams durften sich nicht nur am Euregio-Finale beteiligen, sondern erhielten zudem auch Zugang zum Pre-Incubation Program des NOI Techpark sowie Gutscheine für WIFI-Schulungskurse in Höhe von (je nach Platzierung) 200, 300 und 500 Euro. Den Ideatoren des Company Mood Barometers winkte außerdem ein Gutschein (gesponsert von der Stiftung Südtiroler Sparkasse) im Wert von 8000 Euro für eine Geschäftsreise zu einem Start-up-Hotspot ihrer Wahl.

Es war eine sehr aufregende Reise”, sagte Petra Gratl, Koordinatorin von adventureX und Leiterin des Start-up Incubator im NOI Techpark. Die Teams haben ihr Bestes gegeben, sie haben vollständige und strukturierte Geschäftsmodelle präsentiert und bewiesen, die Idee hinter adventureX voll und ganz verinnerlicht zu haben: nämlich, sich in kurzer Zeit die wichtigsten Werkzeuge anzueignen, um eine Geschäftsinitiative voranzutreiben, und dabei stets an die eigene Idee zu glauben. Darüber hinaus hat die Möglichkeit, zum ersten Mal das große Finale im NOI Techpark auszurichten, den Wert des Wettbewerbs noch gesteigert, handelt es sich doch um einen Ort, wo Innovation gelebt wird. Und ich bin mir sicher, dass diese Energie hier den jungen Teams viele neue Inputs gegeben hat, um ihre Ideen in Unternehmen umzusetzen”, so Gratl.

HINTERGRUND

AdventureX wird im Rahmen des Projekts „Startup.Euregio ITAT 1040“ organisiert, das aus dem Fonds für regionale Entwicklung und aus dem Programm Interreg VA Italien-Österreich 2014-2020 finanziert wird. Am heurigen Finale nahmen neun Mannschaften teil: drei für das Trentino –  darunter auch NaZeNa –, drei für Südtirol und drei für Tirol. Am Wettbewerb haben sich drei Monate lang 105 Teams mit insgesamt 248 Teilnehmern und 36 Trainern beteiligt. In Südtirol nahmen 55 Personen bzw. 26 Teams an adventureX teil. Davon haben zehn Teams zum Schluss ihr Geschäftsmodell auch eingereicht. Das Landesfinale fand am 6. Juni im NOI Techpark statt, wo heuer erstmals auch das Euregio-Finale stattgefunden hat.

NOI Techpark bietet all jenen, die ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen umwandeln möchten, den Start-up Incubator – ein modernes Gründerzentrum mit gezielten Förderprogrammen und professionellen Dienstleistungen für die Gründung und Konsolidierung innovativer Start-ups. Sowohl bereits in ein Unternehmen umgewandelten Start-ups als auch diejenigen, die noch in der Aufbauphase stecken, werden hier in der Entwicklung des Geschäftsmodells, in der Validierung und beim Markteintritt unterstützt

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