4 min read
Maker Space: Die Werkstatt, die niemals schläft
Teilen
WhatsappWhatsapp
2020-04-17 2020-04-16 16 April 2020 - NOI Techpark
4 min read
Bild

3D-Drucker und Lasercutter im NOI Techpark laufen auf Hochtouren, um Krankenhäuser und Pflegeheime mit Schutz- und Atemschutzmasken auszustatten

In Südtirol gibt es eine Fabrik, die immer noch in Betrieb ist. Genauer gesagt handelt es sich vielmehr um eine Werkstatt: Sie befindet sich in einem Komplex, der von außen wie ein schlafender Riese wirkt. NOI Techpark ist geschlossen, alle 700 Mitarbeiter arbeiten von Zuhause. Und doch laufen in diesem Riesen, der in den 30-Jahren im Bauhaus-Stil als vibrierende, rumorende und luftverpestende Aluminiumfabrik aus dem Boden geschossen ist und vor nunmehr drei Jahren zum Techpark umfunktioniert wurde, die leisen 3D-Drucker unermüdlich weiter. Ein interdisziplinäres Team aus Technikern, Designern und Ärzten hat die Maschinen nämlich wieder angeworfen, nachdem man sich zuvor zeichnend, planend und telefonierend die Nächte um die Ohren geschlagen hat.

Das Team arbeitet nicht illegal – im Gegenteil. Nichtsdestotrotz arbeitet es abseits des Scheinwerferlichts.

Die Taskforce

Stichtag ist der 22. März, mitten in der Corona-Krise, als die Kurve der Intensivpatienten schlagartig nach oben schnellt. Zu dem Zeitpunkt, als am Verhandlungstisch eine Flugbrücke für den Transfer von Patienten von Bozen nach Deutschland und Österreich diskutiert wird.
Die Pneumologie des Krankenhaus Bozen wartet mit einer speziellen Anfrage auf: Schnorchelmasken, die von der Firma Decathlon vertrieben werden, mit einem Filter zu verbinden, um sie als Schutzmasken für das Sanitätspersonal nutzen zu können. Ein Konzept, das schon in Bergamo ausprobiert wurde und das sich blitzschnell im Netz herumgesprochen hat. Im Nu wird eine Taskforce mit Vertretern von NOI Techpark, der Freien Universität Bozen und des Krankenhaus Bozen gebildet: Das Team setzt sich aus Kuno Prey, Kathrin Kofler, Curzio Castellan, Walter Weissensteiner, Robert Mössl, Uwe Federer, Marco Benvenuti und Andrea Marri zusammen und arbeitet seit Ende März unermüdlich daran, dem krisengebeutelten Land unter die Arme zu greifen.

Nach mehreren Versuchen und Prototypen entscheidet sich die Taskforce letztendlich für die Entwicklung eines Adapters aus sterilisierbarem Silikon. Und dabei handelt es sich nur um die erste von insgesamt sechs Etappen, die in wenigen Tagen zur Schaffung von hunderten von Schutzmasken für die Krankenhäuser und Pflegeheime in Südtirol führt. Keine 24 Stunden, nachdem die ersten Masken fertig sind, gelangt die Botschaft auch zu den Unternehmen, die während der Notsituation die Krankenhäuser beliefern.

Während es in Bozen an Schutzausrüstung fürs Sanitätspersonal mangelt, fehlen in Brixen die Atemschutzmasken für die Patienten. Brixen stellt einen Knotenpunkt zwischen dem Pustertal, Gröden und dem Gebiet der Seiser Alm dar, was es in eine missliche Lage bringt: Das Virus ist durch den Tourismus verstärkt in diese Ortevorgedrungen und besonders viele Patienten müssen nun in kürzester Zeit in Brixen behandelt werden. Deshalb will Dr. Thomas Völkl so schnell wie möglich eine Sub-Abteilung für die Intensivtherapie entwickeln, um die bestehende Intensivstation zu entlasten.

Credits: Isinnova

Das Netzwerk zählt

Als Vorbild fungieren dabei die Masken von Isinnova aus Brescia, deren Konzept weltweit Aufsehen erregt hat. Die Masken bestehen aus insgesamt zehn verschiedenen Komponenten, die Maker Space im NOI Techpark 3D-druckt. Und nicht nur dort. Denn durch die Pandemie ist eines klar geworden: Ein gutes Netzwerk ist unerlässlich. Der Vorteil des 3D-Drucks liegt in der Dezentralisierung der Produktion. Die verschiedenen Einrichtungen des Netzwerks benötigen nur die Datei und können direkt mit dem Druck loslegen.
In Südtirol heißt dieses Netzwerk NOI Techpark: Zehn private Maker und Fablabs hat Walter Weissensteiner kontaktiert, die ihre Maschinen zur Verfügung gestellt haben, um koordiniert zu arbeiten.

Nicht nur der 3D-Druck spielt hierbei eine wichtige Rolle. Auch die Lasercutter im Maker Space sind im Moment Tag ein, Tag aus in Betrieb. Das Material für zweitausend Schutzbrillen aus Plexiglas steht bereit. Und da solche Visiere nicht erst zertifiziert werden müssen, wie etwa die Mundschutzmasken für das Sanitätspersonal, können sie sofort an die Pflegeheime verteilt werden. Eine unverzügliche und effiziente Reaktion auf den Notfall also – aber man rüstet sich auch für die Zukunft: In diesen Tagen werden Filter und Ersatzteile für Schutzmasken und Beatmungsgeräte für den Gebrauch im Sanitätsbetrieb sowie Schutzmasken und -visiere für den Zivilschutz und die Feuerwehr hergestellt und gelagert.

NOI Techpark ist geschlossen, doch innerhalb seiner Mauern vibriert und rumort es weiter, zum Wohle der Gesellschaft: 3D-Drucker und Lasercutter sind im Dauereinsatz, die Taskforce und ihr Netzwerk auch. Sollte uns eine nächste Welle treffen, sind wir gewappnet.

Teilen
WhatsappWhatsapp