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AlpineBits: die Open Community für einen neuen Tourismus in Südtirol
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2019-11-20 2019-11-20 20 November 2019 - Rosalba Cataneo
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Im NOI Techpark tüftelt an einem neuen Konzept im Schlüsselbereich Tourismus – mit dem Ziel, schneller und besser zu kommunizieren.

„Open Standard“ – etwas Alltägliches, das wir häufig verwenden. Aber wer weiß denn eigentlich genau, was das ist? Es ist ganz einfach: Ein „Open Standard“ ermöglicht, Daten grenzenlos und vertrauenswürdig zu teilen. Man muss nur einen Blick auf Facebook oder Google werfen, auf die wir über unser Smartphone oder PC fast täglich zugreifen. Beiden Web-Adressen steht ein http vor, ein sogenannter „Open Standard“.

Solche Standards finden wir im digitalen Bereich überall: Es gibt sie für Bilder (.jpeg), Videos (.mpeg), Musik (.mp3), für den Austausch von E-Mails…und nun sogar für den Tourismus. Denn genau aus diesem Grund wurde AlpineBits ins Leben gerufen, ein Projekt der AlpineBits Alliance, deren Partner und Koordinator NOI Techpark ist. „Einige Unternehmen haben darauf aufmerksam gemacht, dass der Datenaustausch im Tourismus verbessert werden muss. Diese Gruppe besteht aus Unternehmen, die auf dem Markt eigentlich miteinander konkurrieren und sich auf die Entwicklung digitaler Lösungen im Tourismus spezialisiert haben. Wir haben sie begleitet, um eine gemeinsame Lösung zu finden, was eine Phase intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit nach sich gezogen hat“, erklärt Patrick Ohnewein, Experte für Digital von NOI Techpark.

Transparenz und Austausch: So sieht der Tourismus von morgen aus

Folglich wurde ein Open Standard entwickelt, also eine offene und leicht umzusetzende „Sprache“ für all jene, die täglich Tourismusdaten verwalten und untereinander austauschen. „NOI Techpark unterstützt uns dabei an viele Fronten“, erläutert die Projektkoordinatorin von AlpineBits, Emily Louise Simonis, und führt weiter aus: „NOI hilft bei der Koordinierung und Entwicklung der Community; und ermittelt mögliche Forschungs- oder Technologie-Partner, deren Unterstützung ein wesentlicher Baustein ist, um die Verbreitung des Tools voranzutreiben.“ Außerdem erleichtere der Standard auch den Datenaustausch im Open Data Hub – eine offene, zentralisierte Plattform, die für Südtirol relevante Daten aus verschiedenen Quellen bezieht. Diese werden anderen Anwendungen zur Verfügung gestellt, die durch künstliche Intelligenz die Region „smarter“ machen sollen.

Um welche Daten handelt es sich in diesem „offenen und zugänglichen Kommunikationstool“? Es geht um Preise von Hotels, Anfragen für freie Zimmer oder durchgeführte Buchungen. Das Projekt baut auf dem Standard OTA (Open Travel Alliance) auf und ist auf den alpinen – und besonders auf den Südtiroler – Tourismus zugeschnitten. Schon 2011 haben diverse Klein- und Mittelunternehmen bekräftigt, wie wichtig der kontinuierliche Datenaustausch für eine angemessene Visibilität der Gastbetriebe im Internet sei – ohne dabei bei der Kommunikationsarbeit einzelner Hotels oder Pensionen großartig ins Gewicht zu fallen. Auch weil man den in der Zwischenzeit zahlreich aufgekommenen Tourismusplattformen die eigenen Daten zur Verfügung stellen wollte.  Die Einbindung von NOI war daher fast schon eine logische Konsequenz, fördert das Innovationsviertel in Bozen seit jeher Unternehmen, damit diese in Forschungs- und Entwicklungsprojekte investieren. 

„Mittlerweile wird der Open Standard AlpineBits aktiv verwendet, um Daten mit Data Provider auszutauschen und sie den Konsumenten zur Verfügung zu stellen. Unter den Nutzern finden sich das offizielle Tourismusportal unserer Provinz, einige Apps sowie Unternehmen und Start-ups, die neue digitale Produkte für unsere Region entwickeln”, bestätigt Ohnewein.    

Eine neue Sprache lernen: Herausforderung und Chance

Nun stellt sich die Frage, wie AlpineBits konkret funktioniert. Unternehmen, die im Tourismus tätig sind, dürfen es kostenlos und ohne Umschweife verwenden. AlpineBits wird implementiert und so auch von Partnern, die den Standard unterstützen, genutzt. Ohne diesen gemeinen Standard müsste jeder Partner eigens eine Kommunikationsschnittstelle entwickeln, was mehr Zeit in Anspruch nehmen würde und worunter auch die Qualität der Information leiden würde. „Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt wurde in einem umfangreichen und sehr detaillierten Dokument festgehalten; eine Betriebsanleitung, die die Syntax festlegt, nach der sich die verschiedenen Parteien richten müssen, um untereinander zu kommunizieren. Und da die Anweisungen für alle gleich sind, sparen die Unternehmen, die der AlpineBits-‚Sprache‘ mächtig sind, Zeit und Geld, die für individuelle Codes investiert hätten werden müssen“, erzählt auch Daniele Gobbetti, der Peer GmbH im Board von AlpineBits vertritt.

Das Projekt ist ehrgeizig und wartet mit einigen Hindernissen auf. „Die erste Schwierigkeit bestand darin, mehrere Privatunternehmen, die teilweise miteinander am Markt konkurrieren, an einen Tisch zu kriegen, um einen gemeinsamen Nenner bei den technischen Aspekten zu finden. Denn nur so konnte ein gemeinsamer Standard wie AlpineBits definiert werden“, erinnert sich Gobbetti und kommt sogleich auf den nächsten Punkt zu sprechen: „Die zweite ist eine fortdauernde Problematik: Der Standard muss kontinuierlich aktualisiert werden. Es müssen neue Funktionen und unterstützte Datentypologien integriert werden, ohne dass er mit den vorherigen Versionen nicht mehr kompatibel ist. Manchmal ist das unvermeidlich. Aber der Austausch des Know-hows der verschiedenen Partner hat dieses Hindernis auf ein Minimum reduziert.“

Jedes Mitglied der AlpineBits Alliance trägt mit dem eigenen technischen und branchenrelevanten Wissen seinen Teil bei. Ohnewein sieht noch andere Vorteile in diesem Projekt: „Die Unternehmen in der AlpineBits Alliance investieren Zeit und Geld, um den Standard voranzubringen. Durch diesen Prozess erlangen sie Expertise, die sie heute auf europäischer Ebene zu den größten Experten im Bereich Datenaustausch im Tourismus machen. Außerdem haben die Unternehmen der Allianz dank NOI Techpark Zugang zu anderen Quellen wie die auf Datenverarbeitung spezialisierten Dozenten und Forscher der Freien Universität Bozen oder national und international tätige Experten im Bereich Onlinerecht oder Lizenzierung.”

FACT SHEET

AlpineBits Alliance ist eine Gruppe von KMUs aus dem Tourismusbereich, die in mehreren Bereichen zusammenarbeitet: Datenaustausch im Alpintourismus, Optimierung der Onlinepräsenz sowie Sales und Marketing von Gastbetrieben im Alpenraum und auf der ganzen Welt. 2019 entstand ein neuer Bereich, AlpineBits DestinationData, der noch definiert werden muss. DestinationData betrifft den Datenaustausch zwischen verschiedenen Touristenzielen wie Veranstaltungen oder Skigebiete. 26 Unternehmen sind aktuell Teil der Vereinigung, davon der Großteil aus Südtirol. NOI Techpark nimmt eine Doppelfunktion ein: Das Innovationsviertel ist sowohl Partner als auch Projektkoordinator. Somit stellt man sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung, fungiert als Vermittler und bietet professionelle Beratung an. Es werden F&E-Projekte begleitet sowie spezialisierte Workshops, Forschungsreisen und Infoveranstaltungen organisiert.

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