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AI und Machine Learning: der Professor, der die Zukunft der IT gestaltet
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2019-12-20 2019-12-20 20 Dezember 2019 - Rosalba Cataneo
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Diego Calvanese, Leiter der Smart Data Factory im NOI Techpark, wurde zum Fellow der ACM, der wichtigsten wissenschaftlichen IT-Gesellschaft der Welt, ernannt: „Unsere Forschung in Bozen hat Einfluss auf globaler Ebene".

Auf Google Scholar liegt er bei Zitierungen zu Description Logics auf dem ersten Platz, bei Nennungen zu Verification nimmt er den dritten Platz ein, zu Knowledge Representation den siebten und nicht zuletzt den achten Platz bei Zitierungen zu Data Management. Und nun ist Diego Calvanese, Professor an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen und Experte von NOI Techpark, Fellow der berühmten ACM – Association for Computing Machinery. Fürs Protokoll: Hierbei handelt es sich um die wichtigste und größte Gesellschaft im Bereich der Informationstechnologie. Zuteil wurde ihm diese Ehre „für seinen Beitrag zu deskriptiven Logiken und deren Anwendung in der Datenverwaltung und Softwaretechnologie“. Denn Calvanese ist einer der wenigen Wissenschaftler auf der Welt, der mit seiner Forschung „das digitale Zeitalter neu definiert“.  

Calvanese ist gerade aus Schweden zurückgekehrt, wo er bald an der Universität von Umeå lehren wird. Auf seinen Erfolg angesprochen, zeigt sich der Professor überaus glücklich: „Diese Ehrung zeigt, dass unsere Forschungsaktivitäten in Bozen weltweit nicht unbemerkt bleiben. Wir Informatiker forschen, weil es uns Spaß macht. Nichtsdestotrotz wollen wir damit auch einen konkreten Mehrwert schaffen, indem wir Systeme entwickeln, die die Welt verbessern können.“ Dieser Maxime folgt auch ACM. Gegründet wurde die Gesellschaft 1947 und sitzt seither in New York. Ihre Mission besteht darin, den Informations- und Kompetenzaustausch zu fördern, um politische Konzepte und Studien zum Wohle der Gemeinschaft hervorzubringen. Rund 100.000 Experten – darunter Professoren, Wissenschaftler und IT-Ingenieure – folgen diesem Ziel im Zeichen des informationstechnologischen Fortschritts. Und Calvanese ist sich der Wichtigkeit der Gesellschaft bewusst: „Gerade weil sich ACM auch aus Ingenieuren und Industriellen zusammensetzt, wird nicht nur auf akademischer Ebene gearbeitet, sondern an einem konkreten Output, der in der realen Welt anwendbar ist.“  

Auch bei seiner Arbeit im NOI Techpark ist Calvaneses Ziel, die Gesellschaft zu verändern. Im Innovationsviertel von Bozen leitet der Professor die Smart Data Factory, ein Labor für Technologietransfer im IT-Bereich. Hier entwickeln die Forscher der Fakultät für Informatik der unibz und die Experten von NOI innovative Lösungen zur Beschaffung, Verarbeitung sowie automatisierten und intelligenten Analyse von komplexen Daten, um diese anschließend an Unternehmen weiterzugeben. „Mit der fortschreitenden Entwicklung der Künstlichen Intelligenz befassen sich immer mehr Unternehmen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Firmen direkt mit den digitalen Experten des NOI Techpark in Verbindung zu bringen. Vier Mal im Jahr organisieren wir Treffen zum Thema AI, die den Dialog zwischen Experten und Unternehmen anregen: ‚Know How Transfer Arificial Intelligence and Machine Learning‘. Hier wird erörtert, wie diese Technologien in den verschiedenen Bereichen der Industrie implementiert werden können“, erklärt Patrick Ohnewein, Experte für Digital Technologies von NOI, und spart nicht mit Komplimenten für Diego Calvanese: „Für uns ist es eine Ehre, einen der weltweit führenden IT-Experten in unseren Reihen zu wissen. Gerade der Austausch zwischen Talenten auf diesem Niveau qualifiziert unsere Arbeit hier im NOI und macht uns zu einem Referenzpunkt im Bereich der Künstlichen Intelligenz.“   

Und AI ist es auch, die es Calvanese ermöglicht hat, sich international hervorzutun und in die Riege der 58 Informatiker aufgenommen zu werden, die 2019 zu Fellows der ACM ernannt wurden. Fünf davon sind Italiener; aber nur zwei – Elena Ferrari von der Università dell’Insubria und Calvanese selbst – leben und forschen in Italien, während die anderen an Universitäten in den Vereinigten Staaten tätig sind. „Dass Bozen jetzt in dieser Gesellschaft vertreten ist, zeigt, dass unsere Forschung auf weltweite Anerkennung stößt. Die IT-Forschung in Italien agiert auf höchstem Niveau und italienische Forscher sind über die Grenzen hinaus anerkannt". Darüber hinaus bilden die ACM Fellows eine Elitegruppe, das „Who is Who“ der Informationstechnologie. Aber Vorsicht, Antworten auf Fragen zur Zukunft der IT, noch genauer der Künstlichen Intelligenz darf man sich nicht erwarten. „Es ist sehr schwer, Prognosen aufzustellen. Die Erwartungshaltung gegenüber AI ist hoch und tatsächlich wurden in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht. Andererseits ist die Forschung in diesem Bereich schon einmal ins Stocken geraten, weil der Geldhahn zugedreht wurde. Wir hoffen, dass das nicht noch einmal passiert“, erklärt Calvanese.  Die Entwicklungen der letzten Jahre sind dennoch nicht spurlos an unserer Welt und Gesellschaft vorübergegangen und haben den Mikrokosmos, in dem wir leben und arbeiten, grundlegend geprägt.“ 

Zwischen den zahlreichen Hürden, die Künstliche Intelligenz demnächst nehmen muss, befinden sich zwei Bereiche, die gegensätzlicher nicht sein könnten: die „symbolischen Ansätze“, mit denen versucht wird, das Bewusstsein und die Inferenzregeln einer intelligenten Maschine zu gestalten; und die „Techniken des Machine Learning“ – mathematische und statistische Prozesse, bei denen in den letzten Jahren große Schritte nach vorn gemacht wurden. „Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese beiden Komponenten miteinander zu kombinieren, um die Entscheidungen dieser Systeme erklären zu können“, erläutert Calvanese. Ein Programm kann heute das Gesicht einer einzelnen Person in einer großen Menge erkennen, aber nicht erklären, wie es das gemacht hat. Calvanese führt weiter aus: „Daran arbeiten wir auf globaler Ebene, aber es ist immer noch nicht klar, wie lange es dauern wird und ob wir irgendwelche Ergebnisse erzielen werden. Ich bin optimistisch, aber es ist schwierig, eine Vorhersage zu machen." 

Die neuen Fellows werden beim jährlichen Awards Banquet am 20. Juni 2020 in San Francisco offiziell aufgenommen. Unter den Neumitgliedern finden sich Professoren, Unternehmer und Forscher aus Australien, Kanada, China, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, der Schweiz und den USA. Calvanese wird derweil seinen Weg weitergehen und sich seinen Studien und Projekten widmen. Eines davon ist ganz eng mit NOI Techpark verbunden: Ontopic, das erste Spin-off der unibz, bei dem er sowohl Mitbegründer als auch wissenschaftlicher Berater ist. Das im NOI inkubierte Start-up entwickelt Technologien für Datenzugriff und -integration. Insbesondere widmet sich das Team von Onotopic dem Entwurf eines Knowledge Graphs für Tourismusdaten in Südtirol. Eine neue Herausforderung, an der die klugen Köpfe und die neuen Technologien gemeinsam wachsen werden. 

FACT SHEET

ACM ist die größte wissenschaftliche Gesellschaft für Informatik auf der Welt. Ihre Fellows gehören zu den angesehensten Experten der Informatik und bilden nur 1% der gesamten Mitglieder. Präsident Cherri M. Pancake hat in seiner Ankündigung der ACM Fellows 2019 gesagt: „Alle Technologien, die uns direkt oder indirekt betreffen, sind das Produkt unzähliger Stunden Arbeit, kreativer Inspiration und manchmal auch der bewussten Inkaufnahme von Risiken. Indem wir die Errungenschaften der ACM Fellows hervorheben, wollen wir ihnen unseren Respekt zollen, aber auch der Öffentlichkeit aufzeigen, in wie vielen Bereichen IT-Fachleuten tätig sind.“  

Diego Calvanese, Professor an der Freien Universität Bozen, ist Leiter der Smart Data Factory mit Sitz im NOI Techpark. Das Labor soll den Technologietransfer von der akademischen Theorie in die unternehmerische Praxis fördern. Die IT-Experten unterstützen Unternehmen und Organisationen, die daran interessiert sind, bestehende Software zu analysieren und zu testen, um ihre Qualität zu verbessern und sie an aktuelle Szenarien anzupassen. Sie prüfen z.B. die Software-Architektur zur Vorbereitung auf die Cloud-Migration, bewerten Software-Entwicklungsprozesse und unterstützen den jeweiligen Partner bei der Planung von speziellen, auf den Nutzerbedarf zugeschnittenen Anwendungen. Der Service umfasst auch die wissenschaftliche Unterstützung von Kunden, die an der Entwicklung und am Bau von Prototypen intelligenter Systeme interessiert sind. Dazu gehören beispielsweise Empfehlungssysteme, Entscheidungsunterstützungssysteme und Systeme, die auf räumlich-zeitlichen Daten basieren. 

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