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CPE: Von der One-Man-Show zum interdisziplinären Forschungsteam
2022-08-12 2022-08-12 12 August 2022
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Networking, Kooperationsanbahnung, F&E-Beratung: Besonders für kleine Unternehmen öffnen diese NOI-Services oft Türen, die sonst verschlossen blieben. Was dabei herauskommen kann, zeigt das Unternehmen CPE des Physikers Markus Wenin.

Wissenschaftliche Forschung und den Aufbau eines Unternehmens unter einen Hut zu bringen, kann ohne Zweifel als Herkulesaufgabe gesehen werden. Erst recht, wenn beide Herausforderungen auf den Schultern eines Menschen ruhen – wie jenen von Markus Wenin. Ein Südtiroler Physiker, der zu Beginn seiner Karriere erst einmal den Weg der Wissenschaft eingeschlagen hatte. Nach einer Assistenzprofessur in theoretischer Physik in Graz und der wissenschaftlichen Arbeit an einem Forschungszentrum in Linz begann sich in Wenin jedoch der Unternehmergeist zu regen. Grund dafür war vor allem einer seiner Forschungsschwerpunkte: der Physiker hatte sich immer größeres Know-how im Bereich der Simulationen von Seilschwingungen bei Seil- und Kabinenbahnen erarbeitet. Und bekam zunehmend Lust, dieses Wissen auch entsprechend zu vermarkten.

Wenin wagte den Sprung, kehrte wieder in seine Heimat Südtirol zurück, gründete das Start-up CPE – ein Akronym für Computational Physics and Engineering. Doch dann wurde ihm erst einmal bewusst, wie groß der Schritt war, den er eben gesetzt hatte. Wissenschaftlich befand er sich zwar auf einem vielversprechenden Pfad, stand am Beginn eines Entwicklungsprozesses für eine Software zur Berechnung und Optimierung der Vibrationen von Kabinenbahnen. Doch um ihn umzusetzen, brauchte er Kapital und Forschungspartner. Und: Woher sollte er gleichzeitig die Zeit für Marktrecherchen finden, für die Kundenakquise und all die vielen Dinge, die eben noch zum Unternehmersein gehören? Herausforderungen, die bis heute Teil seiner One-Man-Show geblieben sind. Doch sie sind mittlerweile weit weniger drängend. Dazu trägt nicht nur der PhD-Student Moriz Patreider bei, der seit kurzem Teil des CPE-Teams ist. Vor allem hatte Wenin schon in der damaligen Gründungsphase verstanden, sich die Unterstützung zu holen, die unsere Services Unternehmen bieten. In dem Fall jene der Tech Transfer Teams Automotive & Automation, wo der Physiker im Verantwortlichen Johannes Brunner einen Sparring Partner fand. „Wir haben bereits in den ersten Gesprächen das große Potenzial der Software erkannt, die Markus entwickeln wollte“, erzählt Brunner. Bald schon machte sich sein Team gemeinsam mit Wenin an eine Marktanalyse, identifizierte Unternehmen, die an der Technologie Interesse haben könnten und unterstützte den Unternehmer beim F&E Förderantrag beim Amt für Innovation und Technologie des Landes Südtirol. Mit der Genehmigung der entsprechenden Förderung stand auch der Entwicklung der vielversprechenden Software nichts mehr im Wege. Parallel dazu gingen aus den Kontaktanbahnungen interessante Kooperationen hervor – zum Beispiel mit dem Vorarlberger Weltmarktführer im Seilbahnbereich Doppelmayr oder den Professoren für mathematische Physik an der Freien Universität Bozen, Maria Letizia Bertotti und Giovanni Modanese.

Einige Jahre später kann das konkrete Ergebnis der daraus entstandenen Zusammenarbeit bei einer Fahrt mit der Doppelmayr Seilbahn von Burgstall nach Vöran erlebt werden. Denn dank Simulationen auf Basis von Wenins mathematisch-physikalischen Modellierungen und seiner wissenschaftlichen Partner:innen an der Freien Universität Bozen gelang es, die Stützenüberfahrt der Kabinen so zu optimieren, dass die Längspendelung während der Überfahrt reduziert werden konnten. Ein Ergebnis, das zu einer weiteren Erhöhung des Fahrkomforts führte und weit über Vöran hinaus von praktischer Relevanz ist.  Wie das interdisziplinäre Forschungsteam dorthin gelangt ist, wurde auch wissenschaftlich publiziert und ist im peer-reviewed Journal „Sustainability“ unter dem Titel „Validation of the Velocity Optimization for a Ropeway Passing over a Support“ erschienen. Auch wenn seine CPE längst auf guten Beinen steht, ist Markus Wenin immer noch regelmäßiger Gast im NOI Techpark.  Mittlerweile läuft ein weiteres Forschungsprojekt mit einem Ingenieursbüro, das ebenfalls hier eingefädelt wurde. „Doch auch über solche konkreten Projekte hinaus ist mit dem Tech Transfer Team Automotive & Automation über die Jahre ein Vertrauensverhältnis entstanden, aus dem heraus immer wieder Impulse oder neue Ideen und Kontakte entstehen. Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie“, sagt Markus Wenin.

„Die Rolle des NOI Techpark, ist die eines Forschungs- und Entwicklungsarchitekten, der Unternehmen – unsere Bauherren – dabei begleitet, innovative Produkte zu entwickeln und geeignete Partner für eine beschleunigte, kosteneffiziente und nachhaltige Realisierung zu finden“, sagt Johannes Brunner.